Vor allem Direktbanken verweigern Kunden, die unter Betreuung stehen, die Kontoführung. Das ergab eine Umfrage der Verbraucherzentrale NRW bei 14 Instituten.
Einfach, günstig, flexibel. Mit solchen Schlagworten werben Direkt- und Internetbanken um ihre Kunden. Doch damit sind nicht alle Kunden gemeint. Georg Mohren (Name geändert), vom Amtsgericht mit der Betreuung seiner 83-jährigen Mutter beauftragt, staunte nicht schlecht, als ihm die ING-DiBa verweigerte, ein betreutes Sparkonto zu eröffnen. Statt der erhofften höheren Zinsen für seine Mutter handelte sich der Erkelenzer eine Abfuhr ein: Ein betreutes Konto zu eröffnen sei bei der ING-DiBa nicht möglich.
Dieses Ergebnis war bei der Umfrage der Verbraucherzentrale NRW keine Ausnahme. Keine der vier Direkt- und Internetbanken bietet die Führung betreuter Konten an. Nur die zehn Filialbanken, bei denen es in der Regel niedrigere Zinsen gibt, sehen sich dazu in der Lage.
Schwächen bei der Beratung an der Hotline zeigten sowohl die Direkt- als auch die Filialbanken. Bei der ING- DiBa etwa sagte die freundliche Stimme, die Kontoeröffnung sei möglich. Bei der CC-Bank gab es an der Hotline zunächst eine Abfuhr. Beide Male korrigierten die Pressesprecher diese Auskünfte als falsch.
Grund für die Abstinenz der Direkt- und Internetbanken in punkto betreute Konten: Sie verursachen mehr Arbeit als normale Giro- oder Sparkonten. Schon bei der Kontoeröffnung muss sich der Betreuer ausweisen und die Bestallungsurkunde vorlegen. Allein das finden Banken, die man nur per Telefon oder Internet erreichen kann, zu aufwändig.
„Wir müssten jedes Mal eine beglaubigte Abschrift des Betreuungsausweises anfordern“, sagt Frank Stefels, Sprecher von 1822direkt. Deshalb wählt die Online-Bank den einfacheren Weg und bietet keine betreuten Konten an. Auch Ulrich Ott, Sprecher der ING-DiBa, erklärt: „Betreuungskonten können wir nicht in Einklang bringen mit den schnellen und einfachen Prozessen, für die die ING-DiBa steht.“
Zudem verweisen die Direkt- und Internetbanken auf die Legitimation bei Transaktionen. Weil die Kunden ausschließlich per Internet oder Telefon mit der Bank kommunizieren, sei die Gefahr des Missbrauchs besonders hoch, heißt es unisono. Aus diesem Grund lehnen auch Filialbanken Online-Banking für Betreute meist ab.
Dagegen lässt sich am Schalter der befragten Filialbanken durchweg ein betreutes Konto eröffnen. „Das ist ein zusätzlicher Service für unsere Kunden“, sagt Michael Lermer, Sprecher der Deutschen Bank. Die Sparkassen sind sogar dazu verpflichtet.
Bei der Kontoeröffnung sollte man sich allerdings genau nach den Bedingungen erkundigen. Die Gebühren für ein betreutes Girokonto unterscheiden sich zwar nicht von denen eines herkömmlichen. Die Auflagen sind aber von Institut zu Institut unterschiedlich.
Die Deutsche Bank zum Beispiel rückt keine Bankkarten heraus, die Wüstenrot-Bank grundsätzlich schon, behält sich aber die Entscheidung im Einzelfall vor. Etwa, wenn das Verhältnis zwischen Betreuer und Betreutem sehr weitläufig ist. Die Dresdner Bank gibt nur Karten aus, wenn das Amtsgericht zustimmt und das in der Bestallungsurkunde, dem Ausweis des Betreuers, eigens vermerkt ist.
„Jede Bank kann individuell entscheiden welche Sicherheitsmaßnahmen sie bei betreuten Konten ergreift“, erklärt Fabian Krapot, Pressesprecher beim Bonner Amtsgericht. Die eigentliche Kontrolle übernehmen ohnehin die Amtsgerichte: Sie prüfen einmal im Jahr – oftmals anhand von Kontoauszügen und Quittungen -, ob der Betreuer nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet hat.
Übrigens: Georg Mohren führt das Konto seiner Mutter mittlerweile doch bei der ING-DiBa. Die nämlich hatte im April 2004 Entrium, die ehemalige Quelle-Bank, übernommen. Die einstige Entrium-Kundin Mohren kam so zum ING-DiBa Konto und zur Einladung: „Überzeugen Sie sich von den attraktiven Angeboten!”
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