In 30 Geschäften ließ sich die Verbraucherzentrale NRW über die Fußball-WM in „HDTV” informieren. Doch die Beratung über scharfe Fernsehbilder war eher trübe.
Spielertrikots in brillanteren Farben, Oberschenkel mit deutlicheren Konturen und überhaupt bis zu fünfmal schärfere Bilder: Speziell im Vorfeld der Fußball-WM versprechen TV-Hersteller und Händler sich und dem Kunden viel vom hochauflösenden Fernsehen HDTV (High Definition Television).
HDTV soll die bisherige Norm ablösen, wird bislang aber erst vereinzelt von Sendern ausgestrahlt. Weniger brillant als die Visionen sind die Informationen, die Käufer in punkto Fernseh-Revolution erwarten: Mehr als die Hälfte der von der Verbraucherzentrale NRW getesteten Verkäufer informierte mangelhaft über das, was Kunden beim Einstieg in diese Technik beachten sollten.
In 30 Geschäften in Bonn, Köln und Düsseldorf patzte über die Hälfte bei mindestens einer Antwort auf drei technische Basisfragen. Für TV-Käufer kann solche Unkenntnis üble Folge haben: Sie können weder die WM noch andere Sendungen in der versprochenen Qualität sehen.
Eigentlich soll das Logo „HD-Ready“ vor Reinfällen schützen. Denn einzig dieses Siegel garantiert, dass neue Plasma- oder LCD-Fernseher die HDTV-Signale richtig verarbeiten und darstellen. Kleben dagegen Etiketten wie „HD-kompatibel“, „HD-vorbereitet“ oder „HDTV-fähig“ auf den Geräten, besteht durchaus die Gefahr, dass TV-Bilder nicht in der geforderten Mindestauflösung angezeigt werden.
Überaus ärgerlich deshalb: Jeder sechste Verkäufer im Test war nicht in der Lage, die Bezeichnungen gegeneinander abzugrenzen. So versprach etwa ein Mitarbeiter bei Saturn in Düsseldorf vollmundig: „HD-Kompatibel ist auch zukunftssicher.“
Den Beratungsgau erlebte die Verbraucherzentrale in drei Geschäften. Dort wurde die Frage, ob für HDTV noch weitere Geräte nötig seien, schlichtweg verneint. „HDReady beim Fernsehen und fertig“, frohlockte etwa der Verkäufer in einer Düsseldorfer Kaufhof-Filiale. Die Wahrheit: Ohne ein spezielles Empfangsgerät erreichen die Signale den neuen Fernseher erst gar nicht.
Die häufigsten Aussetzer gab´s bei Thema „Film-Aufzeichnen”. Jeder zweite Berater verschwieg den in HD-Ready-Fernsehern integrierten Kopierschutz, der Video- und DVD-Aufzeichnungen verhindern kann. Ob eine in HD-Qualität produzierte Sendung verschlüsselt wird oder nicht, bestimmt künftig der Rechteinhaber.
Und noch ein böses Beratungs-Foul musste die Verbraucherzentrale einstecken. Der ausdrückliche Wunsch der Tester war es, die Fußball-WM im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in HDTV genießen zu wollen. Doch 18 der 30 Verkäufer mochten die Vorfreude nicht durch die Information trüben, dass die Spiele bei ARD und ZDF lediglich in herkömmlicher Auflösung übertragen werden.
Wer also scharf darauf ist, Ronaldinhos Ballkünste oder Ballacks Stollen in HD-Qualität zu begutachten, muss zusätzlich noch das Geld für ein Abo im Pay-TV berappen. Eine Investition, die Kunden sicher gerne vor dem Kauf eines neuen Fernsehers einkalkulieren würden.
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