Großes Lob spendet die Verbraucherzentrale NRW der Deutschen Bahn (DB) für deren jüngste Marketing-Aktion. Das an die Börse strebende Unternehmen führt am 1. April ein umfangreiches Bonusprogramm ein, mit dem Kunden für ihre langjährige Treue zum öffentlichen Personennahverkehr belohnt werden sollen. „Ein schöner Zug der Deutschen Bahn“, kommentieren die Verbraucherschützer und prophezeien: „Diese Goodwill-Aktion wird das Verhältnis zwischen Bahn und Kunden nachhaltig verbessern.“
Klagen über unpünktliche Züge, mangelnde Informationen über Verspätungen und fehlender Service prägen bislang vor allem die Lage der Pendler. Um Kunden zu besänftigen und langfristig ans Unternehmen zu binden, will die Deutsche Bahn diesem Missstand jetzt mit einer Qualitätsoffensive begegnen. Ihr Bonusprogramm enthält eine Reihe von attraktiven Leistungen, die Dauer-Bahnkunden gestaffelt nach Abo-Zugehörigkeit in Anspruch nehmen können.
Abonnenten, die der Bahn mindestens ein Jahr lang treu bleiben, erhalten ein schmuckes Fantasie-Album, in dem die Korrespondenz mit den DB-Kundenberatungsstellen gesammelt werden kann.
Kunden, die seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen Bahn fahren, bekommen einen Zufallsgenerator. Mit dessen Hilfe können sie künftig besser nachvollziehen, wie bei der Deutschen Bahn Antworten auf Kundenbeschwerden zustande kommen. Ein zusätzliches Plus: Das Gerät kann auch eigene Musterschreiben erzeugen. So sind Pendler künftig in der Lage, ihren Arbeitgebern überzeugend darzulegen, warum sie regelmäßig zu spät am Arbeitsplatz erscheinen.
Zehnjährige Treue belohnt die DB mit einem Paar Wollsocken - passend in den Unternehmensfarben rot-weiß. Diese bisher nur auf Weihnachtsbasaren der Eisenbahnersportvereine angebotenen Give-aways sind bei Stammkunden sehr beliebt. In Anerkennung der Zugverbindung mit der zuverlässigsten Verspätung tragen die Wollsocken den Aufdruck „S 7“.
Nach fünfzehn Jahren gibt’s ein Zusatzticket, das montags zur Nutzung zuschlagpflichtiger Züge berechtigt. Auf diese Weise kann sich das Schienennetz vom Wochenende erholen. Und Pendler verpassen nicht länger ihre Anschlüsse, weil Züge des Nah- und Regionalverkehrs die verspäteten IC- und ICE-Züge überholen lassen müssen.
Zwanzig Jahre Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr sind der Deutschen Bahn eine informative CD wert. Darauf finden sich alle im Kundenschriftverkehr verwendeten Textbausteine und Musterbriefe. Langjährige Pendler entgehen damit dem typischen Sammlerschicksal, trotz aller Anstrengungen immer wieder die gleichen Lieferungen zu erhalten. Wer noch nicht alle vorhandenen Antwort-Varianten zusammen hat, kann auf diese Weise sein Fantasie-Album endlich vervollständigen.
Den Silberjubilaren unter den Vielfahrern winken ein Handy mit einem Ein-Jahres-Vertrag und 120 Gratis-SMS. Besonderer Service: Die Rufnummern der Schlichtungsstelle Nahverkehr der Verbraucherzentrale NRW und der regionalen Ansprechpartner im Nahverkehr sind voreingestellt!
Die Verbraucherzentrale NRW begrüßt vor allem, „dass das attraktive Bonusprogramm ohne Mehrkosten für die Kunden eingeführt wird.“ Denn den gewieften Marketingstrategen der Deutschen Bahn ist es gelungen, für ihre Qualitätsoffensive geeignete Sponsoren zu finden. Insbesondere Mobilfunkunternehmen, Verleger, Brauereien und Kaffeeröster haben die Bruttosozialprodukt steigernden Auswirkungen von Verspätungen erkannt: Jede Ankündigung in Zügen oder auf Bahnsteigen löst automatisch den Griff zum Handy oder den Gang zum Bahnhofskiosk bzw. ins –café aus. Und an Haltepunkten, an denen bislang Desinformation den Bahnalltag beherrscht, werden Bahnkunden künftig bei Verzögerungen zeitnah auf dem Laufenden gehalten, wenn es heißt: „Die nachfolgende Verspätung von 30 Minuten wird gesponsert von der Deutschen Telekom – Ihrem Partner für lange Leitungen.“
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