Für ein stärkeres gemeinsames Engagement gegen Anlagebetrüger des Grauen Kapitalmarkts sprachen sich heute das Bundesverbraucherministerium, die Düsseldorfer Börse und die Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf aus. Private Anleger über Risiken unseriöser Geldanlagen informieren, ihnen unzulässige Vertriebspraktiken transparent machen und sie in ihrem Finanzwissen besser schulen – in stärkerer Aufklärung sehen die Befürworter von präventiven Maßnahmen die Chance, windigen Firmen ins dubiose Handwerk zu pfuschen. Mit Projektmitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz konnte die Verbraucherzentrale NRW jüngst in 13 Städten einen Modellversuch starten, bei dem Beratung und Information über zwielichtige Geschäftspraktiken am Beispiel dubioser Kapitalanlage und Altersvorsorgeprodukte im Mittelpunkt standen. Auch die Börse Düsseldorf setzt auf Prävention und Anlegeraufklärung.
Anteile an geschlossenen Immobilien- oder Leasingsfonds, stille Beteiligungen an Unternehmen und der Verkauf von Schrottimmobilien - jährlich versickern rund 30 Milliarden Euro im Sumpf von riskanten Immobilien- und Aktiengeschäften, die keiner ausreichenden Kontrolle unterliegen. Gesamtwirtschaftlich verursachen die Geldanlagen in der Grauzone einen hohen Geldverlust, vernichten oft mühsam Erspartes für die Altersvorsorge und treiben viele Betroffene in den finanziellen Ruin.
Zwielichtige Geschäfte bescheren auch der seriösen Finanzbranche und ihren Kapitalanlagen einen immensen Imageschaden. Längst sind es nicht mehr allein Gutverdiener, die ins Visier von dubiosen Anlageberatern geraten. Diese suchen auch Verbraucher mit durchschnittlichen bis hin zu geringen Einkommen zu Hause auf und drängen sie zu schnellen Vertragsabschlüssen. Risiken und Tücken der angepriesenen Geldanlagen werden oftmals nicht erläutert oder nur verharmlosend dargestellt.
Diese desolate Situation bestätigte schon 2004 eine Stichprobenbefragung der Verbraucherzentrale NRW von 100 Ratsuchenden, die im Schnitt 20.000 Euro Verlust aus riskanten Investitionsgeschäften beklagten. Bei 64 Prozent der Befragten waren Freunde oder Bekannte die Tippgeber. Finanzberater knüpften dann den Kontakt überwiegend unzulässig übers Telefon (bei 70 Prozent). Was 92 Prozent im anschließenden Gespräch fehlte, war eine ausgewogene und rechtlich korrekte Beratung, in der deutlich auf die Risiken einer Geldanlage hingewiesen wurde.
Mit rechtlicher Verfolgung ist windigen Firmen jedoch allein nicht beizukommen. 30 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW bieten zum Ausstieg aus dubiosen Kapitalanlagen zwar eine rechtliche Beratung an. Doch die häufig hohen Schadenssummen verdeutlichen, wie wichtig vorbeugende Aufklärung ist, um die Zahl problematischer Verträge drastisch zu reduzieren. Verbraucherzentralen, Börse und Politik wollen hierbei gemeinsam an einem Strang ziehen und die ungehemmten Geschäftspraktiken in der Grauzone mit präventiven Maßnahmen bekämpfen.
„Wirkungsvoller Anlegerschutz gelingt nur, wenn Kunden vor Vertragschluss über Risiken von spekulativen Geldanlageformen aufgeklärt und ihnen unseriöse Vertriebspraktiken transparent gemacht werden. Daneben muss auch rechtlich stärker gegen unzulässige Praktiken vorgegangen werden“, erklärt Dr. Karl-Heinz Schaffartzik, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.
Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz konnte die Verbraucherzentrale NRW – neben den anderen Verbraucherzentralen – jetzt erstmals in Nordrhein-Westfalen ein Modellprojekt gegen immense Kapitalvernichtung in der Grauzone starten. In Vorträgen und Internet-Beiträgen sowie über eine rege Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu verschiedenen Produkten und Methoden wurden Verbraucher und Multiplikatoren in 13 NRW-Städten über die verschiedenen Produkte und Geschäftanbahnungsmethoden des Grauen Kapitalmarkts informiert.
Darüber hinaus brachte die Verbraucherzentrale NRW 50.000 Exemplare einer fünfteiligen Flyer-Serie mit Basisinformationen zu fragwürdigen Anlageprodukten und mit Tipps zum sorgfältigen Check von Angeboten unter die Leute. Zusätzlich konnten mittels rechtlicher Abmahnungen unzulässige Vertriebspraktiken – zum Beispiel unverlangte Telefonanrufe von Vermittlern – in einigen Fällen exemplarisch unterbunden werden.
Verbraucher, Unternehmen sowie die Börsen profitieren laut Dr. Peter Paziorek, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, von dem Auftakt der breit angelegten Aufklärungskampagne gleichermaßen: „Das vom Verbraucherministerium geförderte Projekt der Verbraucherzentralen stärkt so den Finanzmarkt und hilft den Anlegern, weil sie nicht durch windige Geschäfte am Ende vor einem riesigen Berg Schulden und einem Loch in ihrer privaten Altersvorsorge stehen.“ Das gemeinsame Ziel müsse sein, Licht in die dunklen Ecken der Finanzbranche zu bringen.
Die Verbesserung der Finanzaufklärung ist auch ein Schwerpunkt in der Kommunikation der Börse Düsseldorf mit den privaten Anlegern. „Nur informierte Anleger können Chancen und Risiken richtig einschätzen“, erläutert Dirk Elberskirch, Vorstand der Börse Düsseldorf. Die Börse als öffentlich-rechtlich organisierter und gut überwachter Marktplatz steht hier mit in der Verantwortung. In zahlreichen Seminaren, auf Finanzmessen und Börsentagen in ganz Deutschland konnten allein im vorigen Jahr über 10.000 Teilnehmern wesentliches Basiswissen vermittelt werden.
„Allerdings müssen sich die Anleger auch informieren“, mahnt Elberskirch. „Beim Kauf eines Toasters legen Verbraucher oft mehr gesundes Misstrauen an den Tag als bei der Geldanlage.“ Die präventive Anlegeraufklärung kann dazu beitragen, mehr Transparenz zu schaffen.
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