Pünktlich zur Fußball-WM läuft das Geschäft mit Gedenkmünzen und Medaillen aus Gold und Silber auf Hochtouren. Doch die oft verheißene Aussicht auf Wertsteigerung ist so sicher wie der Endspiel-Triumph von Trinidad & Tobago.
Selbst der Kaiser ist dabei. Bei einer Präsentation der offiziellen deutschen Gedenkmünzen zur Fußball-Weltmeisterschaft outete sich Franz Beckenbauer als potenzieller Sammler.
„Die neueste 2-Dollar-Münze zur WM 2006“ zum Preis von 10 Euro empfiehlt Ex-Nationalkicker Paul Breitner beim Münzversender BTN. Mehrere „WM-Münzen-Sets“ mit „offiziellen Medaillen“ der WM-Stadien gab’s Mitte Mai beim Discounter Lidl: „für echte Fans - streng limitiert“, zum Preis von 9,99 Euro.
Auch im Ausland wird kräftig für spezielle Gold- und Silberlinge getrommelt: von Paraguay über die Ukraine bis zum Kongo. Der Versandhändler MDM verkauft Silberprägungen der europäischen WM-Teilnehmer: etwa aus Frankreich für 39,90 Euro pro Stück. Münzen aus Gold gibt’s für 375 Euro aus Argentinien und China, zum Stückpreis von 69,90 Euro gar aus Samoa.
Doch wer sich vom Sammelfieber anstecken lässt, dem droht finanzieller Abstieg. Gern nutzen Münzversender erste Bestellungen als Türöffner. So bewirbt etwa der Weltbild-Verlag „die offiziellen Silber-Prägungen“ der WM-Stadien „für nur 29,95 Euro“. Das gilt allerdings nur für das erste Motiv „Berliner Olympiastadion“. Die weiteren elf Silberlinge kommen schon auf je 69,40 Euro. Endsumme: satte 793,35 Euro.
Wer beim Bayerischen Münzkontor für 15 Euro eine WM-Münze des afrikanischen Staats Liberia ordert, erhält später „die Anschlusskollektion Die WM-Teilnehmer“: zwar mit Rückgaberecht, aber ohne Angaben zum Umfang oder Preis der kommenden Lieferungen.
„Auf keinen Fall sollten Sammler wahllos kaufen“, warnt Carl Buhr, Vorstand des Berufsverbands des Deutschen Münzenfachhandels. Selbst wenn Münzen und Medaillen als „offizielle FIFA WM Gedenkprägung“ angeboten werden, besagt das lediglich, dass der Weltverband die Rundlinge lizensiert hat - und am Verkauf mit verdient.
Obacht sei geboten, so Buhr, „wenn Versender eine hohe Wertsteigerung suggerieren und zur Eile drängen“. Wenn Paul Breitner seiner „2-Dollar“-Münze attestiert, „die streng limitierte Auflage verspricht höchste Wertsteigerungen“, dann seien das „unverbindliche Werbeaussagen“, weiß Münzhändler Buhr. Ob „limitiert“ oder „streng limitiert“: das sage nur aus, „dass die Prägeauflage zahlenmäßig festgelegt wurde“ - und wenn´s zehn Millionen sind.
Immer wieder muss die erste Gedenkmünze der Bundesrepublik „Germanisches Museum“ als Beweis für hohe Gewinnmargen herhalten. Die Silbermünze, 1952 für fünf Mark verkauft, wird heute tatsächlich für über 1000 Euro gehandelt.
Als Vergleich taugt sie dennoch nicht. Während vom Museum gerade mal 200.000 Stück geprägt wurden, liegt die Auflage der WM-Münzen bei 3,5 bis vier Millionen. Verständlich, dass Versender dies in Anzeigen wie im Internetshop verschweigen.
Höchst unsicher ist eine Wertsteigerung auch bei ausländischen WM-Münzen. Die Aussicht schwindet nach Angabe von Experten spätestens ab einer Auflage von über 100.000 Exemplaren. Bei kleineren Stückzahlen kann wiederum das Ausgabeland möglichen Gewinn verhageln. Silbermünzen etwa aus Paraguay oder Fidschi bleiben im Gegensatz zu europäischen Gedenkmünzen in aller Regel auch als Miniauflagen reine Liebhaberstücke.
Nicht mal als Zahlungsmittel sind Gedenkmünzen in Euro aus Frankreich und Italien hierzulande zu gebrauchen. Allein im Ausgabeland zahlen Banken den aufgeprägten Nominalwert retour.
Doch in den Hochglanz-Katalogen lauern noch mehr Überraschungen. Die Münzfirma MDM etwa empfiehlt eine „Sonderedition“ für 45 Euro: „mit 45 Karat Blattgold veredelt“. Das Manko des Angebots: „Die Angaben sagen nichts über den Wert“, weiß Buhr, „weil die Goldschicht hauchdünn aufgetragen und deshalb finanziell kaum messbar ist“. Mit dem Goldauftrag verlören die Münzen zudem ihre Zahlungsfunktion.
An der fehlt`s auch bei Medaillen stets. Ob auf den Rundlingen ein Pokal oder Portrait prangt: Medaillen kann jedermann herausgeben. Die sollte deshalb nur sammeln, wer Freude an Abbildung und Material habe, rät Fachmann Buhr. „Vielleicht werden die Stücke in hundert Jahren teuer gehandelt, zum kurzfristigen Geldverdienen eignen sie sich nicht.“
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