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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

26.07.2006
Getränkeindustrie auf zweifelhaftem Weg: Neue Diätgetränke hebeln die Einweg-Pfandpflicht aus

Die Getränkeindustrie zeigt sich innovativ: Mit neuen Diät-Erfrischungsdrinks umgehen Firmen die Pfandpflicht für Dosen und Einwegflaschen.

Die Getränkeindustrie hat die Diabetiker entdeckt. „Mit Diätgetränken im Trend - pfandfrei und gesund“ sieht sich nicht nur die Gehring-Bunte GmbH in Gütersloh mit der Marke „Christinen“. Discounter Plus verkauft „Ice Tea“ mit Diättouch, bei Aldi steht „Hydro Power“ in der Pfandfreiecke, Rewe offeriert „Kneipp Active Entspannung“ und „Aqua O2 Fitness“.

Selbst die Kultbrause „Red Bull Sugarfree“ geriert sich als Diät-Drink - und bleibt damit pfandfrei. Alle Getränke eignen sich laut Etikett angeblich „zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus“.

Die Firmen berufen sich damit auf die Diätverordnung. Danach müssen diätetische Produkte den besonderen Ernährungserfordernissen bestimmter Gruppen entsprechen und sich von herkömmlichen Lebensmitteln unterscheiden.

Der Trick dabei: Die Getränke werden zumeist mit Fructose statt mit Zucker gesüßt und dann als Diabetikerbedarf ausgewiesen. So passen die Dosen und Einwegflaschen durchs Schlupfloch, das auch die aktuellste Novelle der Verpackungsverordnung offen lässt: Sie bleiben weiterhin pfandfrei.

Aufschlussreich ist, wen der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach als wichtige Zielgruppe für diese Art von Diätgetränken nennt: „Farbenfroh, abwechslungsreich, in peppiger Ausstattung und außerdem pfandfrei“ sollen ihre Ü-Minis „die jungen Konsumenten ansprechen“. Die „Trendgetränke“ in der PET-Einwegflasche entsprächen „den Bedürfnissen der jungen und mobilen Generation von heute ebenso wie der Zielgruppe der Diabetiker“.

Weniger begeistert von solchen Durststillern zeigt sich Angela Clausen. „Diätgetränke sind für Normalverbraucher unter gesundheitlichen Aspekten schlicht überflüssig“, sagt die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, „auch wenn Anbieter vehement dafür werben“.

Der Aufdruck „Diät“ bedeute nicht automatisch, dass ein Getränk besonders für eine Gewichtsreduktion oder für eine kalorienarme Ernährung geeignet sei. „Der Begriff führt den Verbraucher oftmals in die Irre“, moniert Clausen. Schließlich enthalte etwa Fructose die gleiche Menge an Kalorien wie Zucker.

So stecken im Kaufland- „Diät“-Getränk „ProAqua Birne-Melisse“ laut Etikett genau so viele Kohlenhydrate wie in der pfandpflichtigen Buddel mit Aqua Birne-Kiwi-Melisse des Konkurrenten Plus.

Schlimmer noch: Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam vermuten anhand einer Studie aus dem letzten Jahr, dass Fructose im Vergleich mit Normalzucker eher zu Übergewicht führe. Mit einer Fructoselösung gefütterte Mäuse legten jedenfalls stärker an Gewicht und Körperfett zu als mit Zucker genährte Artgenossen.

Dieser Effekt aber könnte sich gerade bei Diabetikern, die mit den neuen Fruchtzucker-Drinks umworben werden, als kontraproduktiv erweisen – weil sie akribisch aufs Gewicht achten müssen.

Zudem wirken die Getränke, die sich innovativ-frisch geben, wie überholt. Denn längst empfiehlt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft ihrer Klientel im Prinzip die gleiche Ernährung wie jedermann. Deren Credo: Diätetische Lebensmittel eigens für Diabetiker seien nicht notwendig, da die Tageskost aus dem „normalen“ Angebot gut zusammengestellt werden könne.



Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link245232A.html