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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

27.07.2006
Grilltest in Metzgereien und Supermärkten: Ungenügende Beratungen

Sommerzeit ist Grillzeit. Doch nicht alles, was vom Rost kommt, bietet unbedenklichen Genuss. Kompetente Beratung durch Fleischverkäufer suchte die Verbraucherzentrale NRW bei einem Test zumeist vergebens.

Fetter Schweinebauch, satt eingeöltes Putenfleisch und dazu ein rosiges Stück Kasseler: Das mag lecker klingen, ist aber nicht unbedingt für die nächste Grillparty zu empfehlen. Denn auf Holzkohle gegrillt wird aus dem gepökelten Kasseler leicht ein Gesundheitsrisiko. Ebenso ungesund ist es, wenn Fleischfett oder Öl in die Glut tropfen.

Die Verbraucherzentrale testete bei 40 Metzgereien und Supermärkten in Köln und Bonn Aufklärung und Beratung. Das Ergebnis stößt übel auf: Eine umfassende Beratung gab es nur dreimal.

In 25 Metzgereien und 15 Supermärkten, darunter drei große SB-Warenhäuser und vier Bio-Läden, stellten sich Tester als Neulinge in Sachen Holzkohlengrill vor. Ihnen stehe eine Grill-Party mit zehn Personen ins Haus, deren Vorlieben bekannt seien: fetter Schweinebauch, Pute nach eigenem Rezept dick mit Öl eingepinselt und Kasseler.

Warum diese drei Leckereien so nicht auf den Grill gehören, erklärt Professor Karl Honikel von der Kulmbacher Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel. „Beim Verbrennen von Fett können Dioxine entstehen. Diese giftigen Stoffe können sich auf dem Fleisch ablagern.“ Da fetter Schweinebauch und mit Öl bestrichenes Putenfleisch leicht tropfen können, sei davon abzuraten, diese Fleischstücke direkt auf den Grill zu legen. Es sei sinnvoll, eine Aluschale zu verwenden.

Und: „Auf keinen Fall gehören Fleischerzeugnisse auf den Grill, die mit Nitritpökelsalz behandelt wurden, wie etwa Kasseler“, sagt der Fachmann. Das Nitrit im Pökelsalz kann bei den hohen Grill-Temperaturen mit anderen Inhaltsstoffen zu Nitrosaminen reagieren. „Und die sind nachweislich krebserregend.“ Diese Gefahren, fordert Honikel, müsse jeder Fleischverkäufer kennen.

Dass das auch so ist, daran glaubt der Sprecher des Fleischerverbandes NRW, Peter Toholt: „Beratung ist schließlich eine unserer Stärken, das Fachpersonal ist dafür ausgebildet.“ Doch die Testergebnisse untermauern Toholts Credo nicht.
Im Gros der Geschäfte blieben deutliche Warnungen Mangelware. Insgesamt berieten gerade mal drei von 40 in allen drei Punkten vorbildlich. Sie warnten vor gegrilltem Kasseler, vor tropfendem Öl und Fett und empfahlen eine Alu-Grillschale.

Schon am Pökel-Kasseler scheiterte fast die Hälfte aller getesteten Fleischverkäufer (17 von 40). Immerhin: In den Biometzgereien lief nur eine von vier Beratungen beim Kasseler schief. Merkwürdig nur: Einige Verkäufer rieten vom gegrillten Kassler nur ab, weil es „zu trocken und salzig” werde oder Kasseler als Grillgut „einfach nicht üblich” sei.

Auf das dick eingeölte Putenfleisch reagierten sogar nur vier der 40 Verkäufer. Lediglich ein Supermarkt und drei Metzgereien wiesen die vorgeblichen Grill-Neulinge darauf hin, dass das Öl in der Glut verbrennen könne. Auch beim Schweinebauch versagte - bis auf wenige Ausnahmen - die Beratungskompetenz. In einigen Metzgereien bedauerten die Verkäufer, dass das Fleisch in der Auslage „so fett” gar nicht sei. Bei Vorbestellung sei jedoch „ein richtig schön fettes Stück” möglich.

Tipps zum richtigen Grillen gibt`s hier

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link245452A.html