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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

21.08.2006
Versicherungsvertreter im Check: Beratung für Studenten oftmals nur mangelhaft

Die Beratung für Studenten durch Versicherungsvertreter verlief überwiegend mangelhaft. So lautet das Fazit einer Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW, bei der 25 Policenverkäufer Vorschläge machten.

Die Kunden, mit denen es die 25 Versicherungsvertreter verschiedenster Gesellschaften und Agenturen zu tun hatten, versprachen mit ihrem Monatseinkommen von 900 Euro sowie rund 3000 Euro auf dem Sparbuch wahrlich keine dicken Abschlüsse: Studenten im ersten Semester, die nur unter der Woche im Studentenheim wohnen, fragten nach, welchen Schutz sie unbedingt benötigen.

Laut Testvorgabe sollten dafür monatlich rund 50 Euro zur Verfügung stehen. Der Rest war fest gebunden: für Miete, Lebensunterhalt, Studium und sonstige Ausgaben.

Das hinderte jedoch acht Berater nicht, Vorschläge jenseits von 600 Euro Jahresbeitrag vorzulegen. Als extrem dreist entpuppte sich dabei ein Vertreter, der schon bei der Terminvereinbarung nach dem Getränkewunsch des Kunden fragte. Insgesamt 1649 Euro jährlich gedachte er zu kassieren: für fünf verschiedene Policen. Danach hatte der Testkunde den Kaffee auf.

Finanzielle Risiken, die abzusichern sind, gibt es natürlich auch für angehende Akademiker. Etwa, wenn anderen fahrlässig Schaden an Hab und Gut oder Gesundheit zugefügt wird. Solche Malheure, für deren möglicherweise teure Folgen ein Leben lang bezahlt werden muss, lassen sich für rund 50 Euro Beitrag im Jahr abdecken: über eine private Haftpflichtversicherung.

Junge Leute in der ersten ununterbrochenen Berufsausbildung laufen aber weiterhin über die Policen der Eltern, brauchen also keinen separaten Haftpflichtvertrag. Im Gegensatz zu den Testern: Denn die gaben vor, bereits eine Ausbildung abgeschlossen zu haben.

Doch jeder vierte Berater hatte den preiswerten und existenziellen Haftpflicht-Baustein nicht in seinem Angebot stehen. „Eine möglicherweise verheerende Schludrigkeit”, rügt Versicherungsexpertin Elke Weidenbach.

Damit nicht genug. Unter dem elterlichen Schutz sollte nach den Testvorgaben der Hausrat der Erstsemester stehen. Denn ihr Lebensmittelpunkt sei weiterhin die elterliche Wohnung - da werde am Wochenende heimgependelt, und auch die Semesterferien würden im Hotel Mama gebucht.

Eine eigene Absicherung gegen Brand oder Diebstahl wäre mithin rausgeschmissenes Geld. Genau diesen Vorwurf aber muss sich das Ergebnis der Beratung in neun der 25 Fälle gefallen lassen.
Nicht abwegig ist es, die Folgen gesundheitlicher Einschränkungen zu bedenken. Im Falle der Invalidität etwa droht der Absturz auf Hartz-IV-Niveau. Da jedoch wollen die Berufsunfähigkeits-(BU) und die Unfallversicherung vor sein, die zumindest pekuniären Ausgleich versprechen. Für wenige Hundert Euro im Jahr gibt es schon sinnigen BU-Schutz in Kombination mit einer Risiko-Lebensversicherung.

Immerhin: Auf die BU- oder Unfall-Lücke kamen 22 der 25 Berater zu sprechen. Ihre Lösung dafür war allerdings nicht stets optimal. Bisweilen nämlich wurde die Policen mit einer Renten- oder Kapitallebensversicherung kombiniert. Besonders die letztere Police dient nach Meinung von Verbraucherschützerin Elke Weidenbach „allein dem Provisionsinteresse der Vertreter”.

Und das scheint bei vielen stark ausgeprägt zu sein. Denn 14 mal bekamen die Tester Pakete mit drei bis fünf unterschiedlichen Policen geschnürt. Darin lag mitunter auch so Unpassendes wie etwa Rechtsschutz, Private Krankenversicherung und Riesterrente.

Solch miese Empfehlungen sind zumeist das Ergebnis von Unterlassung. Zur Aufgabe der Vertreter gehört es nämlich, die Lebens- und Finanzlage des Kunden zu eruieren und daraus den Policen-Bedarf zu entwickeln.

Im Gespräch müssen die Berater deshalb nach dem monatlichen Einkommen, einer eventuellen Geldreserve, der Miete und womöglich geplanten Anschaffungen fragen. Doch hier trafen die Tester überwiegend auf Desinteresse.

Allein die Versicherungssituation der Eltern und der berufliche Werdegang fand angemessenes Interesse bei der Mehrheit der Vertreter im Test.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link251302A.html