Ein zunehmend krasses Missverhältnis zwischen niedrigen Forderungen an Schuldner und horrenden Verzugskosten bilanziert die Verbraucherzentrale NRW zur bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung. „Die besten Verbraucherschutzgesetze laufen ins Leere, wenn Anbieter im Alltag nicht Fairplay mit ihren Kunden praktizieren“, appelliert Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, an Gläubiger, beim Eintreiben ihrer Außenstände Verhältnismäßigkeit zu wahren. Denn anstatt Schadenminderung zu praktizieren und mit dem säumigen Kunden zu kommunizieren, setzten Anbieter immer öfter auf kostentreibende Instrumente, die nicht selten existentielle Krisen einläuteten.
„Der Kunde: Gestern König – heute Bettelmann. Fairplay zwischen Anbietern und Konsumenten“ – so lautet das Motto der bundesweiten Aktionswochen der Schuldnerberatung, die vom 18. bis 22. September 2006 stattfinden. Dabei wollen die Initiatoren den Blick auf ein zunehmendes Ungleichgewicht lenken: „Während ‚König Kunde’ vor Vertragsabschluss kräftig umworben wird, endet er oft als Bettelmann, wenn er den eingegangen Verpflichtungen nicht nachkommen kann“, moniert der Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, dass sich die Schere zwischen den eigentlichen Forderungen und anfallenden Verzugskosten immer weiter auftue, weil Anbieter bei der Wahl der Mittel zum Eintreiben ihrer Außenstände weit übers Ziel hinausschießen. „Ein 19-jähriger Azubi, der mit seinem Handy-Vertrag 700 Euro Miese schreibt und versucht, seine Verbindlichkeiten abzustottern, steht mit zusätzlichen Forderungen von rund 250 Euro da“, berichtet er aus dem Alltag der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale NRW, „keineswegs Einzelfälle, dass sich durch Kosten für die Einschaltung eines Inkassobüros oder eines Anwalts, für
Mahnbescheide oder Vollstreckungsmaßnahmen Forderungen verdoppeln.“ Auch säumigen, aber zahlungswilligen Stromkunden selbst bei geringen Restforderungen von 150 Euro zwei Monate lang den Zähler abzuklemmen, sei Energieeinsatz am falschen Ende: „Forderungen laufen drei Monate lang auf, ohne dass das Gespräch mit dem Kunden gesucht wird. Und dann kommt der Außendienstmitarbeiter, um den Strom zu sperren – was nicht nur neue Kosten produziert, sondern auch den Kommunen erhebliche Belastungen bringt. Denn die müssen dann möglicherweise mit Leistungen einspringen, um auch diese unnötigen Forderungen zu begleichen“, weiß Müller die Sozialleistungsträger auf seiner Seite, wenn er an Anbieter appelliert, verhältnismäßige Mittel anzuwenden, um ihre berechtigten Forderungen einzutreiben. Statt mangelnder Gesprächsbereitschaft mit den Schuldnern, Hinhaltestrategien bei Verhandlungsbemühungen sowie zusätzliche Kosten verursachender Maßnahmen, die viele Betroffene in existentielle Notlagen bringen, sei Fairplay angesagt: „Auch säumige Zahler haben ein Recht darauf, dass der Schaden möglichst klein gehalten wird.“
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