Ein Vertreiber von Tierfutter forciert den Absatz seiner Produkte in Tierheimen. So genannte „Paten“ zahlen die teure Zeche.
Tierheime sind begeistert, Tierfreunde im Zwiespalt. Grund: die Haid/Baur GbR aus dem schwäbischen Rottenburg. Die karrt gleich tonnenweise Hunde- und Katzenfutter in 134 deutsche Tierheime.
Gleichzeitig sind Werbekolonnen in Einkaufscentern und vor Fachmärkten auf der Jagd nach Futterpaten. Mit einem Spendenabo zwischen sieben und 56 Euro im Monat sollen die „Auftraggeber“ das Futter fürs Tierheim vor Ort finanzieren. Werber sprechen auch Einzelhändler und Tierärzte gezielt an. Patenschaften laufen zumeist über ein Jahr und verlängern sich automatisch.
„Hilf auch Du“ barmen im Vertragssignet Hund und Katze. Selbst mit dem Firmennamen „Futter für Tiere in Not“ suggeriert das Unternehmen eine edle Gesinnung. Auch im Internet wird gelobt, „Tierheime in ganz Deutschland kostenlos mit der jeweils benötigten Menge an Futtermitteln zu versorgen“.
Eher profan will Geschäftsführer Oliver Baur „den Absatzmarkt für Katzen- und Hundefutter speziell in Tierheimen erschließen und ausbauen“. Mit 134 von bundesweit mehr als 900 Tierheimen habe er bereits Lieferverträge. Die Zeche zahlen bei großen Heimen wie in Köln oder Stuttgart rund 600 Paten, bei kleineren reicht die Hälfte.
Begeistert von der Idee unterschrieb auch Hans Rahn (Name geändert) aus Frechen bei Köln eine Patenschaft über 84 Euro im Jahr - und wurde erst misstrauisch, als er seinen Vertrag in Ruhe durchlas.
Für Hundetrockenfutter etwa bezahlen die Paten 60 Cent pro 100 Gramm. Die Stiftung Warentest hat „gutes” bekömmliches Markentrockenfutter bereits für 7 Cent pro 100 Gramm gefunden. „Als Pate zahle ich das 8-fache”, ärgert sich Rahn.
Tierschützer kennen das Prinzip: dass bei solchen Aktionen „die Gewinnspanne zwischen dem Einkaufs- und dem Abgabepreis an die Sponsoren ganz erheblich ist“. Die könne durchaus bei 40 Prozent und mehr liegen, moniert Steffen Seckler vom Deutschen Tierschutzbund.
Kaum nachzuvollziehen ist die Rechnung von Oliver Baur. Der will Paten zwar garantieren, dass ihre Beiträge den Heimen ohne jeden Abzug zugute kommen, dass ihnen die Futterpakete „zum regulären Einzelhandelspreis berechnet werden“.
Das aber bleibt fiktiv. Im Handel wird das Tierfutter aus Rottenburg gar nicht verkauft. Ob die Dosen mit „Benno“ oder „Peterle“ beschriftet sind: „der Inhalt wird eigens für Tierheime zusammengestellt“, sagt Baur. Einsichten zu Futterbestandteilen und Preisgestaltung aber bleiben den Paten verwehrt.
Damit nicht genug. Auch wenn Baur seine Preise mit einem hohen Fleischanteil seiner Mixturen begründet und rechtfertigt, können Paten das glauben oder nicht.
Die Inhaltsangaben auf Verpackungen bringen dabei - wie bei anderem Fertigfutter - wenig Aufschluss. Hinter der Formulierung „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ kann sich vieles verbergen: vom hochwertigen Fleisch über Binde- und Sehnengewebe bis zu Schwarten. Gar Knorpel, Knochen und Blut gehören zu den Nebenerzeugnissen. Zudem dürfen Hersteller die Zusammensetzung jederzeit ändern.
Hans Rahn jedenfalls hat seine Patenschaft inzwischen wieder gekündigt - auch wenn’s dem Tierfreund schwer fiel. Er zahlt seine Geldspenden jetzt wieder direkt ans nächste Tierheim.
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