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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

26.10.2006
Landtagsanhörung zu steigenden Energiepreisen
Mehr Energieeffizienz schützt Verbraucher vor Kostenexplosion

Eine Energieeffizienz-Offensive ist nach Ansicht der Verbraucher­zent­rale NRW das schlagkräftigste Instrument, um steigende Ener­giepreise für Verbraucher wirkungsvoll abzufedern: „Jährlich wären durchschnitt­lich 500 Euro Ersparnis je Haushalt drin, wenn bei Gebäu­den, Produkten und Dienstleistungen alle technisch und wirt­schaftlich möglichen Einspar-Potenziale ausgeschöpft wür­den“, rech­net ihr Vor­stand Klaus Müller anlässlich der Landtagsanhörung am 27. Oktober vor.

„Frühzeitig die Folgen der Energiepreissteigerungen für Bür­gerinnen und Bürger abzuschätzen ist ein verdienstvoller Vor­stoß des nord­rhein-westfäli­schen Landtags. Doch ihm muss rasch ein Aktionsplan zur effi­zienten Nutzung von Energie folgen. Denn Gebäude, die nur wenig geheizt wer­den müssen, sind dauerhaft der beste Verbraucherschutz gegen eine Explo­sion der Energiekosten bei weiter steigenden Preisen.“

Der Effizienz-Offensive zusätzliche Durchschlags­kraft verleihen kann nach Müllers Ansicht ein ver­briefter Mietminde­rungsanspruch gegenüber Vermietern, wenn Neubauten nicht die gesetzlichen Vorgaben zum Energieverbrauch einhalten.

Rund 91 Milliarden Euro müssen Deutschlands Haushalte inzwischen im Jahr für die Energierechnung berappen: Zwischen 1998 und 2006 sind die Ausgaben für Heizung, Warmwasser, Strom und Kraftstoffe von rund 1.860 auf 2.380 Euro gestiegen. Geringverdiener geben inzwischen knapp 17 Prozent ihres Ein­kommens für Energie aus.

„Relevante Spiel­räume für Konsumeinschränkungen, um Ener­gie­preissteigerungen auf­zufangen, gibt’s bei diesen Haushalten nicht“, schlägt der Vorstand der Verbrau­cherzentrale NRW Alarm und fordert umge­hend ein Maßnah­menpaket zur Verbesserung der Energieeffi­zienz. „Derzeit interessiert niemanden, ob die Energieeinsparverord­nung in der Praxis auch ein­gehalten wird“, moniert Müller, „kann die Miete jedoch gemindert wer­den, wenn der Neubau nicht den energe­tischen Vorgaben der Verord­nung ent­spricht, haben Vermieter ein vitales Interesse, dass die Spar-Standards auch erfüllt wer­den.

Im sozialen Wohnungsbau sollte zudem das Pas­sivhaus zum Standard gemacht werden.“ Darüber hinaus müssten auf kommunaler Ebene Gebäude­sanierungs­programme für Altbauten auf­gelegt werden, in denen vor allem ein­kommensschwache Haushalte wohnten. Im Beratungsalltag habe sich gezeigt, dass staat­liche Zu­schüsse zu energetischen Sanierungsmaßnahmen am Gebäude einen wirkungs­volleren Anreiz böten als die bislang praktizierte För­de­rung durch güns­tige Zinssät
ze.
Auch beim Gerätepark der Haushalte sieht die Verbraucherzentrale NRW ein­trägliche Einsparpotenziale: Wie im EU-Aktionsplan zur Ener­gieeffizienz vor­gesehen müsste statt verwirrender A++-Kenn­zeichnung die „A-Klasse“ wieder für die besten 10 bis 20 Prozent der Geräte reser­viert und die Kenn­zeichnung der Energieeffizienz-Klas­sen zudem auf Geräte der Unterhaltungs­elektronik und der Büro­kommunikation erwei­tert werden.

„Außerdem müssen die Regel­sätze für Haushalte, die Hilfe zum Lebens­unterhalt bekommen, so bemes­sen werden, dass diese auch eine realistische Chance haben, für die notwendigen Neuanschaf­fungen zwar teurerer, aber energiesparen­der Haushaltsgeräte anzu­spa­ren“, macht sich Müller für klare Verbrau­cherinformation und eine konse­quente Berücksichtigung der Lebenszykluskos­ten stark.

Nicht zuletzt: Die öffentliche Finanzierung einer flächendeckenden und ver­netzten Energieberatung sei ein geeignetes Instrument, Ener­gieeffi­zienz-Steige­rungen zu befördern. „Hier finden Ratsuchende Unterstüt­zung, um Stromfresser ausfindig zu machen und energie­sparende Geräte auszuwählen, aber sie be­kommen auch Empfeh­lungen für eine rationelle Energieverwendung.

Darüber hinaus erweist sich die Vor-Ort-Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW als Motor für Investitio­nen“, erläutert Klaus Müller, „rund 90 Prozent der Beratenen setzen die hier emp­fohlenen Maß­nahmen um. Wo eine entsprechende Vor-Ort-Beratung stattfindet, werden durch­schnittlich 22.694 Euro zur ener­geti­schen Sanierung von Wänden, Dächern oder Heizungsanlage investiert.

Fast 80 Prozent der Maß­nahmen wer­den von Fachbetrieben des Hand­werks ausgeführt. Damit sichert Energiebera­tung nicht nur die Steige­rung von Energie­effizienz, sondern auch Arbeitsplätze und stärkt zugleich die heimi­sche Wirtschaft.“

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link263562A.html