Wer sein gerade gekauftes Auto von Benzin auf Gas (LPG) umrüstet, geht bei vielen Fabrikaten ein enormes Risiko ein. Das zeigt eine Umfrage der Verbraucherzentrale NRW bei 20 Unternehmen. Denn wegen des Umbaus fühlen sich die meisten Pkw-Hersteller nicht mehr an ihre Neuwagen-Garantie gebunden. Deshalb rät die Verbraucherzentrale: Bei Automarken, bei denen die Garantie verfällt, sollten die Pkw-Besitzer auf die Umrüstung verzichten.
Steigende Spritpreise bewegen immer mehr Autokäufer dazu, ihre neue Karosse auf Gasantrieb umrüsten zu lassen. Die Ersparnis kann sich leicht ins Gegenteil verkehren – wenn sich irgendwann nach der Umrüstung Schäden an Motor oder Motorelektrik, an Lambdasonde oder Katalysator einstellen. Fallen die Aggregate aus, drohen gleich mehr als zwei Drittel der befragten Autofirmen, die Garantie zu verweigern. Lediglich Citroen, Chevrolet, Kia, Lada, Mitsubishi und Subaru gewähren – wurde die Gasanlage fachgerecht eingebaut – die volle Herstellergarantie.
Viele Käufer neuer Pkw fühlen sich über die Folgen und Risiken einer Umrüstung unzureichend informiert: von Umbau-Betrieben wie auch von Pkw-Herstellern. Das belegen zahlreiche Anfragen und Beschwerden bei der Verbraucherzentrale NRW. Die mangelnde Aufklärung wiegt umso schwerer, als vom boomenden Markt auch jede Menge Firmen profitieren wollen, denen Fachkenntnis und Erfahrung fehlen. So spricht denn auch die Kfz-Branche selbst von „Schwarzen Schafen“ in ihren Reihen.
Eine hundertprozentige Sicherheit bieten auch spezielle Zusatzgarantien nicht, die versprechen, für etwa 100 Euro mögliche Schäden durch die Autogasumrüstung zu decken. Klauseln im Kleingedruckten sorgen dafür, dass die Gesellschaften Schäden nicht ohne Wenn und Aber übernehmen müssen.
Wegen der vielfältigen potentiellen Schwierigkeiten fordert die Verbraucherzentrale NRW die Automobilwirtschaft auf, zunächst umfassend über die Umrüstung auf Autogas und mögliche Garantieverluste zu informieren. Vom Kfz-Gewerbe wird parallel erwartet, eine anspruchsvolle Zertifizierung zur Autogasumrüstung zu entwickeln: so dass Pkw-Käufer Werkstätten finden, denen sie voll und ganz vertrauen können. Das Ziel muss sein, dass die Automobilwirtschaft die volle Herstellergarantie zusichert, wenn eine Autogasanlage in einem Betrieb mit Zertifikat eingebaut wurde. Bis dahin sollten Neuwagen-Käufer nur Autos von Marken umrüsten lassen, bei denen bereits jetzt die Garantie erhalten bleibt.
Prinzipiell sieht die Verbraucherzentrale NRW in Autogas eine finanziell attraktive Alternative zu Benzin. Zumal die steuerliche Begünstigung bis 2018 währt. Eine fachgerechte Umrüstung kostet derzeit für einen Mittelklassewagen insgesamt um die 2.200 bis 2.400 Euro. Die Investition lohnt sich für Fahrzeuge durchschnittlich nach etwa 50.000 Kilometer. Um unliebsame Überraschungen bei Zulassung und Sicherheit zu vermeiden, ist es ratsam, weder im Ausland umrüsten zu lassen noch zu Selbstbausätzen zu greifen.
Auch die Umwelt profitiert, wenn statt Sprit Gas den Motor antreibt. Zwar ist Autogas kein Biokraftstoff und als Abfallprodukt der Erdölförderung und – raffinierung nur begrenzt verfügbar. Aber Autogas belastet die Luft geringer als Benzin mit Schadstoffen wie Kohlendioxid und Stickoxiden. Zusätzliches Plus: Autogasfahrzeuge fahren leiser.
Weitere Hinweise zu alternativen Kraftstoffen erhalten Sie hier. Eine Übersicht zur Garantie der einzelnen Automarken nach einer Umrüstung von Benzin auf Gas erhalten Sie als pdf-Dokument zum Download.
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


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