Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Verbraucherzentrale NRW ist ein Erfolgsmodell: Mit 197 bearbeiteten umfassenden Entschuldungsfällen pro Vollzeitstelle erfüllen die elf Einrichtungen ein überdurchschnittliches Pensum, erledigen die Fallbearbeitung kompetent und zügig und verzeichnen darüber hinaus eine äußerst geringe Abbrecherquote in der Verbraucherinsolvenzberatung. Dennoch haben sie landesweit - im Vergleich zu anderen anerkannten Beratungsstellen - die rote Laterne: „Die hohe Akzeptanz führt dazu, dass Ratsuchende vielfach mehrere Monate auf einen Termin für eine Entschuldungsberatung warten müssen. In zwei Städten mussten wir mit mehr als 80 Prozent die meisten Schuldner abweisen oder auf Wartelisten mit über drei Monaten vertrösten“, erklärt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, das Schlusslicht-Dasein: „Im Vergleich führen wir landesweit durchschnittlich die längsten Wartelisten.“ Dem könne nur durch eine verbesserte Personal- und Finanzausstattung begegnet werden.
Das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW – Zuwendungsgeber der anerkannten Einrichtungen für die Insolvenzberatung in NRW – hatte eine Unternehmensberatung beauftragt, die Arbeit dieser insgesamt 195 Stellen in unterschiedlicher Trägerschaft zu evaluieren. Zentrales Ergebnis: Mit insgesamt 23.476 Kurz-, Schuldner- und Insolvenzberatungen haben die elf anerkannten Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen der Verbraucherzentrale NRW im Jahr 2005 rund 14 Prozent der 166.333 Gesamtfälle in Nordrhein-Westfalen betreut. Insbesondere bei der Kurzberatung rund ums Thema Schulden, die jederzeit und ohne Voranmeldung in Anspruch genommen werden kann, war die Verbraucherzentrale NRW eine gefragte Anlaufstelle: „Sprechzeiten an vier Tagen pro Woche, keine Beratungsentgelte sowie ein unbürokratisches Sofort-Programm, um existenzsichernde Hilfestellungen zu geben, sind Garanten für die hohe Inanspruchnahme“, bringt Klaus Müller das Erfolgsmodell auf den Punkt, „nicht zuletzt ist der hohe Vertrauensbonus, den unsere Arbeit bei den Ratsuchenden genießt, ein entscheidendes Motiv, um sich bei existenziellen Finanzproblemen an uns zu wenden.“ Übrigens: In Gelsenkirchen wurde gerade die zwölfte Schuldner- und Insolvenzberatung der Verbraucherzentrale NRW als geeignete Stelle anerkannt.
Weiteres Fazit: Von Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Verbraucherzentrale NRW begleitete außergerichtliche Einigungsversuche - vor Beginn des Verbraucherinsolvenzverfahrens vom Gesetzgeber vorgeschrieben - werden nur zu einem geringen Prozentsatz abgebrochen. „Ein deutlicher Hinweis, dass in unserer Beratung realistisch beurteilt wird, was jeder Schuldner individuell leisten kann. Dies motiviert, bei der Stange zu bleiben und das Insolvenzverfahren tatsächlich als Chance für einen finanziellen Neuanfang zu nutzen“, erläutert der Vorstand. Darüber hinaus weist er auf den steigenden Anteil Arbeitsloser in der Schulden- und Insolvenzberatung hin: „Schulden sind bei der Jobsuche oftmals ein Fallstrick. Deshalb bedarf es praktischer Hilfestellungen, um den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt nicht an ungeregelten Finanzen scheitern zu lassen.“
Ein weiteres zentrales Ergebnis des Berichts: Immer mehr junge Erwachsene suchen Hilfe bei den Schuldnerberatungsstellen im Land. In der Altersgruppe unter 20 Jahre war ein Plus von 36,8 Prozent, in der zwischen 20 und 29 Jahren ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber 2004 zu verzeichnen. „Die Zahlen unterstreichen einmal mehr, dass die Finanzkompetenz junger Menschen gestärkt werden muss“, mahnt Müller weitere wirksame Maßnahmen an, um Kindern und Jugendlichen die „Grundrechenarten“ in Sachen Geldausgeben nahe zu bringen.
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