Ernährungsberater schütteln da nur den Kopf: Wer zuhauf Süßigkeiten aus dem Hause Ferrero kauft, kann in Trendklamotten der Firma Adidas fürs Sportabzeichen des Deutschen Olympischen Sportbundes trainieren. Rund 800.000 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, erbringen jedes Jahr einen Nachweis für Fitness und Leistungsfähigkeit - und werden dafür mit dem Sportabzeichen belohnt.
Jetzt will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) „das Produkt Sportabzeichen stärker am Lebensgefühl eines modernen, fitnessbewussten Menschen ausrichten”. Der trägt vielleicht die „Just Sports Collection” des Werbepartners Adidas und futtert womöglich reichlich Süßes von Ferrero.
Die Dreier-Allianz hat im Oktober via Fernsehen und Anzeigen eine „große Sport-Aktion rund um das Deutsche Sportabzeichen gestartet”. Um in Trendklamotten von Adidas zu schlüpfen, gilt es Sporttaler von Ferrero-Produkten wie Duplo, Hanuta, Nutella, wie Überraschungseier und Kinderschokolade abzuknibbeln, in Sammelhefte zu kleben und die bis Mai 2007 gegen Prämien einzutauschen.
Wer fürs Sportabzeichen etwa in einer blauen Kapuzenjacke trainieren will, braucht dafür 200 Taler, muss umgerechnet 200 Überraschungs- Eier oder mehr als 20 Kilo des Brotaufstrichs Nutella in den Einkaufswagen legen. Für die Hälfte an Kalorien winkt ein blaues TShirt mit den drei gelben Streifen der Firma Adidas. Und ein Volleyball für 75 Sport-Taler kostet mindestens 150 Milchschnitten. „Kinder und Jugendliche werden über Wochen aktiv fürs Sportabzeichen trainieren”, rechtfertigt Manfred Ruf von der Deutschen Sport Partner GmbH die Kooperation des DOSB mit Ferrero. Auf die Chance, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, könne der Sportbund nicht verzichten. Die Aktion sei schließlich „nicht als Aufruf zum Süßigkeiten essen zu verstehen”.
Anders sieht das Angela Clausen. „Mit der widersinnigen Aktion wird suggeriert, dass Süßigkeiten und Sport zusammengehören, dass Ferrero-Produkte ideale Fitmacher für Zwischendurch sind”, moniert die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Gerade Kinder und Jugendliche aber brauchten alles andere als eine Extraportion Zucker und Schokolade, wenn sie nicht übergewichtig an den Kriterien der Leistungsprüfung scheitern wollten.
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