Labbrig, fad und arm an Nährstoffen – das gängige Verpflegungsangebot an Schulen verdirbt Kindern und Jugendlichen oftmals den Appetit. Eine neutrale Beurteilung der Mahlzeiten soll helfen, die Ernährungssituation an Schulen nachhaltig zu verbessern. Als erste Instanz bietet die Verbraucherzentrale NRW gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein ein Verfahren zur Beurteilung des Speisenangebots an Ganztagsschulen an. Die Ergebnisse sollen Eltern und Lehrern die nötige Orientierung liefern, um sich für ein gesundes und schülergerechtes Verpflegungssystem in der Schule ihrer Kinder zu entscheiden. Das Angebot zur Überprüfung und Bewertung der Verpflegung an Schulen betrachten die Initiatoren als Pilot-Modell, das helfen soll, künftig verpflichtende Prüfverfahren für die Außer-Haus-Verpflegung von Kinder und Jugendlichen salonfähig zu machen.
Praktische Hilfe bei der Optimierung des Speisenangebots an Schulen und anderen Tageseinrichtungen – vom Zwischenimbiss bis hin zur Mittagsmahlzeit – ist dringend geboten. Per Erlass sind etwa die Ganztagsgrundschulen in Nordrhein-Westfalen bereits verpflichtet, sich neben Unterricht und Betreuung auch um die Verpflegung zu kümmern. Doch Zeitmangel bei der Umstellung auf den Ganztagsbetrieb, Fehlen verbindlicher Vorgaben, teure Anschaffungskosten für ein Verpflegungssystem und mangelnde Erfahrung bei der Wahl eines geeigneten Caterers bescheren vielen Schulen bislang eine zwar wirtschaftlich realisierbare, jedoch unter ernährungsphysiologischen Gesichtpunkten unbefriedigende Lösung. "Der zeitsparende Griff zu Mahlzeiten, die nicht gesund und kindgerecht sind, fehlende Hygiene und oftmals unqualifiziertes Küchenpersonal kennzeichnen die Situation", kritisiert die Verbraucherzentrale NRW: "Fehlernährung aufgrund unzureichender Qualität und mangelnde Akzeptanz bei Schülern und Eltern sind die Folge. Die Leistungen der Anbieter werden zudem bislang nicht fundiert kontrolliert."
Um diese desolate Situation zu verbessern, bieten die Verbraucherzentrale NRW und die Hochschule Niederrhein jetzt Schulen sowie anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen professionelle Hilfe an, indem sie das jeweilige Verpflegungsangebot einer gründlichen und ganzheitlichen Prüfung unterziehen. Das Verfahren ist denkbar einfach: Anbieter können von einer Schule vorgeschlagen werden oder sich mit ihren Leistungen selbst ins Spiel bringen. Die Bewerber erhalten eine Liste mit rund 200 Fragen zum Ausfüllen. Speziell geschulte Studenten der Hochschule überprüfen die Antworten auf ihren Wahrheitsgehalt. Dabei werden vor allem Kriterien wie Speisenproduktion, Transport, Behandlung der Lebensmittel, Speisenplan und Hygiene kritisch unter die Lupe genommen. Bei der Bewertung spielen vor allem Nährstoffgehalt, Vollwertigkeit, Umweltverträglichkeit und Attraktivität eine große Rolle. Die Angaben müssen anhand exemplarischer Belege nachgewiesen werden. Stichproben bei den Leistungserbringern runden das Verfahren ab. Entsprechen die angegebenen Daten den erhobenen Kriterien, erhalten die geprüften Dienstleister ein auf drei Jahre befristetes Zertifikat, das einer von drei erreichbaren Qualitätsstufen entspricht. Die Kosten zwischen 200 Euro und 1.000 Euro für ein Verfahren zahlen die Teilnehmer. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht.
Nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW profitieren alle Beteiligten gleichermaßen von diesem Serviceangebot: "Pächter und Caterer werden alles daran setzen, um die Prüfkriterien zu erfüllen. Schulen sind daran interessiert, ihr Verpflegungsangebot zu verbessern. Und für Eltern kann ein zertifiziertes Verpflegungsangebot ein entscheidendes Kriterium für die Wahl einer Schule sein."
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