Direkt zum Inhalt
  • Seite drucken
  • Seite empfehlen
  • Warenkorb
  • Fragen zum Auftritt?
  • Tipps zur Schriftgrößenänderung

Weitere Beiträge

Kontakt:
Pressestelle der
Verbraucherzentrale NRW
Mintropstraße 27
40215 Düsseldorf


Audiocodec-Service

So finden Sie uns

Hinweis für Verbraucher: Unter der angegebenen Rufnummer erhalten Sie keine Auskunft oder Beratung

Beratungsstellen

Weitere Beiträge

Adressen zur Veröffentlichung:

Infos für Verbraucher:
Internet: www.vz-nrw.de

Ratgeberbestellungen:
Internet: www.ratgeber-vz.de
E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de
Tel: (0211) 38 09 555
montags - freitags: 9.00 bis 16.00 Uhr
Fax: (0211) 38 09 - 235
Verbrauchertelefon NRW:
Tel: 0900-1-89 79 69
(1,86 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend)

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

13.06.2007
Verbraucherzentrale NRW testet Fahrradwerkstätten: Lebensgefährliche Mängel übersehen

Ein Test der Verbraucherzentrale NRW in 20 Werkstätten zeigt: Wer sein Fahrrad vom Fachmann checken lässt, fährt oft in trügerischer Sicherheit. Denn selbst lebensgefährliche Mängel wurden von vielen Fachwerkstätten übersehen.

Ziemlich derangiert sieht das blaue Damenrad neben den nagelneuen Mountainbikes aus. Trotzdem hält der freundliche Mitarbeiter des Fahrradladens in der Kölner Innenstadt die Glastür zur Straße weit auf. "Das Rad ist verkehrssicher. Einfach draufsetzen und losfahren", sagt er zum Abschied.

Wehe dem, der seinen Worten glaubt: Mit dem blauen Rad zu fahren, wäre lebensgefährlich. Der hintere Bremsdraht ist angerissen, der Lenkervorbau zu weit aus der Befestigung gezogen, die Lichtanlage ist defekt und der Dynamo abgenutzt. Lediglich die lose Schraube an der Hinterachse hat dieser Fahrradexperte gefunden, nur einen von fünf sicherheitsrelevanten Mängeln. Die Defekte eingebaut hatte Gereon Broil, Technikreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) in Bonn.

In 20 Werkstätten in Köln und Bonn stellte die Verbraucherzentrale NRW das Horrorgefährt vor: "Was muss repariert werden, damit das Fahrrad verkehrssicher ist?" Und: "Wie viel wird das kosten?" Für ihre Antwort bekamen die Fachleute unterschiedlich lange Zeit. Zehn Experten sollten das Rad sofort kontrollieren. Die anderen Zehn konnten es wenigstens einen Tag lang behalten, um es gründlich begutachten und eine schriftliche Mängelliste erstellen zu können.

Ob sofort oder später, mündlich oder schriftlich: Überall war das Ergebnis gleichermaßen schockierend. 18 der 20 Werkstätten übersahen mindestens einen der beiden größten Fehler. K.o.-Kriterien waren der falsch befestigte Lenker und der angerissene Bremsdraht. Zehn Läden übersahen sogar beide gravierenden Mängel.

Durch die falsche Befestigung des Lenkers können Vorbau und Gabelschaft brechen. "Das ist der gefährlichste Mangel, der aber durch einfache Blickprüfung gefunden werden kann", sagt ADFC-Experte Broil. Die maximal mögliche Lenkerhöhe ist deutlich an der Stange markiert. Dem Meister eines Bonner Einmannbetriebes half selbst das Ableuchten des gesamten Rahmens mit einer Taschenlampe nicht weiter. Mit den Worten "Da ist nichts dran", schickte er das Rad wieder auf die Piste.

Ein Bonner Spezialist für Rennräder zog nur flüchtig an den Handbremsen. "Die gehen ein wenig schwer", stellte er fest. Reparieren wollte er sie nicht. Seine Begründung, bei einem Rad mit Rücktritt müsse die hintere Handbremse nicht funktionieren, lässt Broil nicht gelten: "Wenn sie vorhanden ist, muss man sich auf die Bremse verlassen können." Zehn Werkstätten bestanden den Bremsen-Test, weil sie einen Routinewechsel der Drähte vorschlugen. Den Riss im hinteren Draht erwähnte jedoch keine von ihnen.

In Köln rüttelte ein Fachmann minutenlang mit sorgenvoller Miene am Hinterrad. "Das kann teuer werden", seufzte er. Wahrscheinlich sei das ganze Radlager kaputt. Dabei war bloß die Mutter an der Hinterachse nicht festgezogen. Aufgefallen ist das in 13 Werkstätten.

Den offensichtlichen Fehler, das defekte Rücklicht, fanden 16 Techniker auf Anhieb. Aber nur vier von ihnen sahen gleichzeitig den losen Massekontakt am Frontlicht und lösten damit das Licht-Problem vollständig. Denn ist der Kontakt unterbrochen, kann es zu Aussetzern des Frontlichtes kommen. Das Rücklicht bekommt dann zu viel Spannung und die hintere Birne brennt sofort wieder durch.

Solche Schludrigkeit kann teuer kommen. Denn "die Fachwerkstätten müssen für ihre Arbeit haften", sagt Jürgen Schröder. Der Verbraucherjurist moniert eine "erhebliche Pflichtverletzung der Monteure, wenn sie bei der ÜberprüfungInspektion gravierende Sicherheitsmängel übersehen". Die Folge: Kommt es wegen des nicht reparierten Fehlers zu einem Unfall, können Kunden Schadenersatz und Schmerzensgeld einfordern.

Wo so viele Fehldiagnosen gestellt werden, überrascht auch die Vielfalt der Kostenprognosen nicht. ADFC-Techniker Gereon Broil schätzt die tatsächlich notwendigen Reparaturkosten großzügig auf rund 100 Euro, vorausgesetzt es werden Qualitätsteile verbaut. Enthalten sind darin ein neuer Dynamo, neue Bremsdrähte, eine intakte Beleuchtung und der Arbeitslohn.

Im Test dagegen reichten die geschätzten Kosten von 50 Cent für ein neues Birnchen bis zu satten 208,95 Euro - unter anderem für eine neue Hinterrad-Nabe, eine neue Gabel, einen neuen Scheinwerfer. Rund ein halbes Dutzend der Fahrradläden empfahl den Kauf eines neuen Rades und verwies auf die ausgestellten Modelle. Den Originalitätspreis verdiente sich dabei ein älterer Fahrradspezialist in Köln. Er musterte das Rad amüsiert von allen Seiten und schrieb als Kostenvoranschlag: "Reparatur lohnt nicht mehr."

Albert Herresthal wundern solche Testergebnisse nicht. Der Vorsitzende des Verbunds selbstverwalteter Fahrradbetriebe (VSF) glaubt, dass selbst ein "schriftlicher Kostenvoranschlag nicht immer die Behebung aller Mängel enthalten" kann. Herresthals Fazit: "Eine Garantie, dass alle Fahrrad-Fachwerkstätten seriös arbeiten, kann niemand geben."


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link327632A.html