Internetportale für Handwerkerauktionen versprechen, zuverlässige und günstige Dienstleister zu finden. Die Verbraucherzentrale NRW sah sich acht Börsen an. Das Ergebnis: In Einzelfällen wurden die Preise um bis zu 60 Prozent gedrückt. Doch knapp zwei Drittel aller Auktionen, vor allem auf kleineren Portalen, brachten für die Auftraggeber nichts ein.
Das Prinzip erscheint simpel: Wer einen Job zu vergeben hat, stellt ihn samt Beschreibung, in der Regel mit Startpreis, erst einmal kostenlos ins Internet. Dort balgen sich Handwerker und Dienstleister um die Arbeit und unterbieten sich beim Preis für das Weißeln von Wänden, die Gartenpflege und das Scheren eines Hundes. In bis zu 35 Rubriken soll sich stets der passende Billig-Experte finden.
Ob´s wirklich klappt, versuchte die Verbraucherzentrale NRW in einer Stichprobe herauszufinden. Dabei schauten sich die Tester neben dem Versteigerungsportal My-Hammer, laut Eigenwerbung “die Nr. 1 in Deutschland“, auch sieben Konkurrenten an: Profis, Jobdoo, Work5 und Undertool; Quotatis, Blauarbeit und Go4bid. Davon entzog sich das nach registrierten Mitgliedern zweitgrößte Portal Quotatis (124.000 gegenüber 230.000 bei My-Hammer) einer Testbewertung. Was auf der Plattform geschieht, lässt sich weder für Kunden noch für Handwerker erkennen. Quotatis bringt Auftraggeber und Auftragnehmer intern per E-Mail zusammen. Dafür benötigen die Dienstleister ein Abo zum Preis von mindestens 45 Euro im Monat.
Auch bei anderen Portalen zahlen zumeist die Handwerker für jeden ersteigerten Job zwischen zwei und 4,5 Prozent des Auftragswerts. Stets gilt: Je geringer der Preis für die vermittelte Arbeit, um so höher die Prozente.
Das Ergebnis der Stichprobe: Krasse Unterschiede fand die Verbraucherzentrale NRW bei den Aktivitäten: von sehr rege bis kaum vorhanden. Während bei My-Hammer am 11. Mai 2007 zur Mittagszeit immerhin 32.083 Versteigerungen liefen, machte das Portal Blauarbeit mit angegebenen 5636 Auktionen seinem Namen alle Ehre. Noch fauler werkelte die Konkurrenz. Von Undertool bis zu Profis verloren sich zwischen 162 und 406 Auftraggeber. Die Tätigkeit ganz eingestellt hatte offenbar Go4bid. Alle dort erwähnten 23 Auktionen waren schon “beendet“, auch die als “Top-Auktion“ oder “neu eingestellt“ aufgemotzten.
Ebenso wie Quotatis waren auch Go4bid und Blauarbeit nicht zu beurteilen. Denn die Auktionen der beiden letzteren enden nicht per Stichtag. Die Parteien können jederzeit Kontakt aufnehmen, sich einigen und die Auftragsvergabe beenden. Dabei ist der Ablauf der Auktion für Außenstehende nicht einsehbar.
Bei den im Test verbliebenen fünf Portalen zeigte der Blick auf die jeweils fünf aktuellsten Auktionen für die Rubriken “Maler“ und “Klempner“: Das Drücken der Preise per Versteigerung funktionierte eher selten. Knapp zwei Drittel (31) der insgesamt 50 untersuchten Aufträge waren ohne Gebot (20), oder es fand sich lediglich eine Offerte zum Startpreis (acht). Verrückt: Bei Undertool liefen drei Auktionen gar andersrum. Der günstigste Maler wollte beispielsweise “Decken und Wände“ statt zum Startpreis von 250 nur für 390 Euro streichen.
Bescheiden auch: Vier Auftraggeber mussten sich mit Preissenkungen von weniger als einem Prozent begnügen. So gesehen bei Jobdoo, wo ein Zimmer für lediglich ein Euro unter dem Startpreis von 350 Euro tapeziert werden sollte. Nur bei jeder dritten der 50 Auktionen wurde der Einstands-Preis merklich gedrückt. Die Spannen reichten dabei von zehn (Einbau Ikea-Spüle für 90 statt 100 Euro bei My-Hammer) bis zu 11.000 Euro (Dämmung eines Achtfamilienhaus für 40.000 statt für 51.000 Euro bei Work5).
Die relativ besten Reduzierungen im Test lagen bei 60 und 57 Prozent. 13 Offerten ließen den Preis für eine “Wohnungsrenovierung“ (My-Hammer) von 999 auf 399 Euro sinken. Gar 17 Gebote für das “Weißeln von Wänden und Decken“ (Jobdoo) führten zu einem Preisverfall von 600 auf 260 Euro. Beides waren jedoch Ausnahmen.
Unterschiede registrierten die Tester von Portal zu Portal. Während die Versteigerung bei My-Hammer in sieben von zehn Fällen funktionierte und bei Malerarbeiten im Schnitt 20 Prozent Ersparnis drin waren, blieben Erfolge auf anderen Börsenseiten die Ausnahme. Jobdoo brachte es dank zwei spektakulärer Malerauktionen auf einen Schnitt von 17 Prozent. Die drei Konkurrenten dagegen blieben unterhalb von fünf Prozent. In der Rubrik “Klempner“ konnten alle Portale nur mit solch mageren Werten aufwarten.
Der Tipp der Verbraucherzentrale NRW:
Wer einen Auftrag im Internet versteigern will, sollte sich vorab nach einem realistischen Preis für die Arbeit erkundigen. Wichtig ist es zudem, die zu erbringende Arbeit möglichst detailliert zu beschreiben und, so möglich, mit Bildern zu belegen. Bei komplizierten Arbeiten wie dem Eindecken eines Daches oder aufwändigen Installationsarbeiten raten Verbraucherschützer stets zu einem Kostenvoranschlag. Sonst droht bei scheinbar günstigen Geboten ein satter Nachschlag. Die mal direkte, mal indirekte Kontaktaufnahme zwischen Auftraggeber und Dienstleister während der Auktion ist bei einigen Portalen möglich und sollte genutzt werden.
Wie so oft: Nicht immer muss der billigste auch der preisgünstigste Anbieter sein - oder der zuverlässigste. Viele Portale lassen nur Bieter mit Gewerbeschein zu. Einen Bewertungsindex erstellt Blauarbeit. Bei einigen Versteigerern können Auftraggeber Kriterien für Bieter festlegen: beispielsweise nur Meisterbetriebe zulassen oder Offerten regional beschränken.
Kunden sollten sich stets die Qualifikation von ihrem Inter-nethandwerker bestätigen lassen: vor allem bei großen Auftragssummen. Die Bezahlung der Arbeiten lässt sich bei My-Hammer, vergleichbar Ebay, über ein Treuhandkonto abwickeln.
Der kleine Unterschied
Streng genommen handelt es sich bei den meisten Handwerkerportalen im Internet nicht um Auktionen. Den Auftraggebern bleibt es vorbehalten, welchen Dienstleister sie letztlich auswählen. Das muss nicht der billigste sein. Sie können bei My-Hammer und Quotatis, Blauarbeit und Profis gar alle Bewerber ablehnen. Jobdoo berechnet für eine Totalverweigerung allerdings die übliche Provision.
Nur wer bei Undertool einen Auftrag einstellt, verpflichtet sich, das billigste Gebot anzunehmen; bei Go4bid muss er eine der drei günstigsten Offerten akzeptieren: wenn die jemals eingehen. Work5 verpflichtet Kunden ebenfalls zur Annahme des günstigsten Gebots: wenn nur eins unterhalb des Startpreises liegt oder wenn ohne Angabe eines Startpreises mindestens drei abgegeben wurden. Den Kunden muss der Handwerker, der den Zuschlag erhalten hat, im Gegenzug ein fünftägiges Widerrufsrecht einräumen.
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