Immer mehr Menschen heizen mit Holz. Doch wer seinen Kamin oder Kaminofen mit Brennstoff aus dem Baumarkt befeuert, trägt oftmals weniger Kilo nach Hause als angegeben. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW in zehn rheinischen Baumärkten.
Seit Beginn des Holzbooms vor rund zwei Jahren führen die meisten Baumärkte auch Kamin- und Anfeuerholz. Verpackt sind die Scheite in handlichen Säcken. Die Verbraucherzentrale NRW wollte wissen: Wie viel steckt wirklich drin? Mit einer haushaltsüblichen, nicht geeichten Personenwaage besuchten die Tester zehn Baumärkte im Rheinland, um jeweils zehn Säcke abzuwiegen: fünf mit dicken Kaminholz-Scheiten sowie fünf mit Anfeuerholz.
Die Überraschung: Nur 60 Stichproben von 95 (einmal war das Anfeuerholz ausverkauft) waren überhaupt mit einer Gewichtsangabe in Kilo ausgezeichnet. Die reichte von vier über sechs bis zu 12,5 Kilo. Bei jedem dritten Angebot fanden die Tester lediglich Hinweise auf die Füllmenge: angegeben in so genannten „Raum“- oder „Kubikdezimetern“ („Festmeter“).
Von den 60 in Kilo ausgezeichneten Säcken brachten 56 erheblich weniger Gewicht auf die Waage als versprochen. Im schlimmsten Fall vermissten die Tester dabei rund ein Drittel Holz. Von insgesamt 407,5 Kilo Brennholz, die eigentlich in den Säcken stecken sollten, fehlten mehr als 56 Kilo. Das ist immerhin rund ein Siebtel der insgesamt deklarierten Füllmenge.
Ebenfalls ärgerlich: Viele Gewichtsangaben beim Kaminholz blieben äußerst vage. Da hieß es etwa: „ca. 12,5 kg bei Einwaage”. Weiter fanden sich Etiketten-Aufdrucke wie „ca. 10 - 12 kg bei Einwaage”. Doch selbst die Untergrenze wurde beileibe nicht immer erreicht: In sechs von zehn derart ausgezeichneten Säcken steckte noch bis zu einem Kilo weniger Kaminholz.
Oftmals präziser waren die Angaben bei Anfeuerholz, das in kleineren Gebinden verkauft wird. Dennoch fehlten auch hier in allen Vier-Kilo-Säcken zwischen 100 Gramm und 1,2 Kilo (30 Prozent) des angegebenen Gewichts. Ähnlich magersüchtig präsentierten sich auf der Waage die Sechs-Kilo-Säcke.
Merkwürdigkeiten fanden sich auch bei den 35 Säcken, die mit Volumen-Angaben wie „Raum”- oder „Kubikdezimeter” beschriftet waren. So steckten in einem Sack mit 20 Kubikdezimetern Kaminholz 12,6 Kilogramm Brennstoff. In einem anderen Markt fanden die Tester bei gleicher Volumenangabe ein Leichtgewicht mit gerade mal 7,4 Kilo: satte 41,3 Prozent Gewicht weniger.
Noch kurioser: Ein Kaminholz-Sack mit dem Volumen von „20 Kubikdezimetern” wog 12,6 Kilo, während ein anderer, mit „22 Kubikdezimetern” ausgezeichnet, gerade mal 4,8 Kilogramm Anfeuerholz enthielt.
Obwohl die Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW Holzkäufer verärgern mag, sieht sich die Kontrollbehörde nicht gefordert. Harald Vonderhagen vom Landesbetrieb Mess- und Eichwesen in NRW kennt bei Kamin- und Anfeuerholz jedenfalls „keine gesetzliche Handhabe”, um beim Verkauf untergewichtiger oder in Volumen ausgezeichneter Verkaufsgebinde einzugreifen. Fazit: Die „Mess- und Gewichtspolizei” (Eigenwerbung der Eichämter in NRW) muss tatenlos zuschauen.
Den Vorwurf, unlauteren Verkaufsmethoden würden so Tür und Tor geöffnet, will der Holzhandel klitzeklein hacken. Per Warenetikett informiert etwa ein Lieferant, dass Brennholz, wenn es in Netze und Säcke abgepackt werde, mit rund 48 Prozent einen rund doppelt so hohen Feuchtigkeitsgehalt und damit ein weit höheres Gewicht aufweise als nach einer mindestens sechsmonatigen Trockenzeit, am Ende der Logistikkette im Baumarkt. „Aus zwölf Kilo bei der Einwaage werden da schon mal acht Kilo”, sagt Detlef Stoll von der Firma German Baltic BioEnergies GmbH im sächsischen Goldbach.
Obendrein stecke in den meisten Säcken ein Mix aus Buche, Eiche, Esche und Birke - „je nach Verfügbarkeit” wie es auf Etiketten heißt. Die „unterschiedliche Dichte und ein abweichendes Trockenverhalten der einzelnen Hölzer” könnten „zu weiteren Gewichtsdifferenzen führen”, erläutert Stoll.
Die Folge: Der Gesamtverband des Deutschen Holzhandels in Wiesbaden verzeichnet seit 2006 „einen rasanten Anstieg an Briefen und E-Mails von verunsicherten Verbrauchern, die mit dem Maß und der Qualität von gekauftem Brennholz unzufrieden waren”. Für den Herbst dieses Jahres kündigt der Verband deshalb ein neues Gütesiegel des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung an – besser bekannt als RAL.
Dabei geht´s vor allem um die Qualität. Mit der freiwilligen RAL-Kennzeichnung will der Verband sicherstellen, dass in Zukunft nur noch Kamin- und Anfeuerholz „mit 18 bis 22 Prozent Restfeuchte angeboten wird”, sagt Klaus Kottwitz, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Brennholz. Zudem solle auf dem Etikett stets die Holzart stehen. Manko jedoch: Vorschriften zu den Mengenangaben seien nicht vorgesehen, „nur nachvollziehbar für den Kunden müssen die Auszeichnungen sein”.
Genaue Vorstellungen von der Deklaration hat dagegen Regina Heid von der Verbraucherzentrale NRW. Sie plädiert für „die klare Auszeichnung von Brennholz nach Gewicht - mit Volumenangaben kann niemand etwas anfangen”.
In der Preisangabenverordnung fehle bislang eine verbrauchsgerechte Regelung zu Kaminholz, moniert Verbraucherschützerin Heid. Sie fordert daher den Gesetzgeber auf, in der Verordnung im Interesse der Kunden festzulegen, bei Kamin- und Anfeuerholz „zusätzlich den Preis pro Kilogramm anzugeben”.
Wie sinnig die Forderung ist, belegt die Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW. So boten zwei Baumärkte jeweils 20 Kubikdezimeter Kaminholz feil. Im ersten Markt gab`s 12,6 Kilo zum Preis von 2,79 Euro, der Konkurrent dagegen lieferte für 2,95 Euro nur 7,4 Kilo Holz.
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