Die Verbraucherzentrale NRW teilt die Befürchtung, dass im Herbst mit zweistelligen Preissteigerungen beim Gas zu rechnen ist. Auf viele Haushalte können dramatische Kostensteigerungen zukommen, vor allem wenn die kalte Jahreszeit lange anhält.
Verbraucher und Politik brauchen jedoch angesichts der anhaltenden Preissteigerungen nicht in Schockstarre zu verfallen: "Kunden sollten gegen jede individuell angekündigte Erhöhung bei den Gaspreisen und auf alle Fälle bei der Jahresendabrechnung Widerspruch einlegen", erklärt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Wer kein Klagerisiko eingehen will, kann wenigstens unter Vorbehalt zahlen. Risikofreudigere Kunden können die erhöhte Rechnung kürzen. Zumindest Sonderkunden haben nach der jüngsten Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs gute Chancen, bei Preissteigerungen eine Rückzahlung zu erhalten.
Hausbesitzern empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW, zügig den Weg einer energetischen Gebäudesanierung einzuschlagen. Mit Dämmmaßnahmen, neuer Heizungstechnik oder der Nutzung erneuerbarer Energien seien Einsparungen von bis zu 70 Prozent möglich. Eine Anhebung der Förderprogramme sei zudem dringend geboten, um die Sanierwilligkeit von Eigentümern zu verbessern. Auch das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter müsse neu justiert werden. Bereits auf der letzten Kabinettsklausur in Meseberg hatte die Bundesregierung versprochen, die Sanierung von Mietwohnungen zu erleichtern, um Mieter bei den Nebenkosten zu entlasten.
Die Verbraucherzentrale NRW fordert zusätzlich ein gesetzlich verankertes Recht für Mieter, vom Vermieter einen Wechsel zu einem günstigeren Energieversorger verlangen zu können.
Der Wettbewerb auf dem Gasmarkt hinkt dem Strommarkt weit hinterher. "Hier muss flächendeckend erst einmal Wettbewerb hergestellt werden, damit Verbraucher überhaupt zwischen mehreren Anbietern den geeigneten auswählen können", erklärt Müller. Die Haltung der Bundesregierung, die EU-Anstrengungen für eine eigentumsrechtliche Trennung der Netzbetreiber im Ferngasgeschäft auszubremsen, torpediere stattdessen den Wettbewerbsgedanken. "Die lokalen und regionalen Gasanbieter sollten jetzt ihre Möglichkeiten – etwa durch Zusammenschluss und Bündelung der Nachfrage – nutzen und nach neuen Lieferanten bzw. Lieferländern Ausschau halten, die preisgünstiger liefern können", fordert der Verbraucherzentralenvorstand.
"Die Einsparung von Energie ist der beste und nachhaltigste Weg für private Haushalte, um der Preisspirale individuell Einhalt zu gebieten", so Müller. Die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW bieten Ratsuchenden nach Voranmeldung eine Energiesparberatung.
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