Verbraucher in Nordrhein-Westfalen fühlen sich als Opfer der liberalisierten Märkte und bei der Beachtung ihrer Interessen von der Politik nicht ausreichend vertreten – so lautet das Ergebnis einer im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) durchgeführten Verbraucherbefragung. Explodierende Preise für Benzin, Gas oder Strom, unlauterere Vertragsbedingungen von Telekommunikationsanbietern, mangelnde Transparenz bei den Angeboten und fehlende Kundenorientierung beim Service – besonders ins Auge sticht, dass Verbraucher in Nordrhein-Westfalen über Nachteile auf dem deregulierten Sektor klagen. Unzufrieden sind die Befragten vor allem mit den Gas- und Stromversorgern (40 Prozent), aber auch mit der Deutschen Bahn (28 Prozent), Mobilfunkanbietern (24 Prozent) und dem öffentlichen Personennahverkehr (22 Prozent). Positive Wertschätzung erfährt hingegen die Verbraucherzentrale NRW.
Befragt wurden in einer im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes vom Institut Markt und Umwelt durchgeführten repräsentativen Umfrage bundesweit 3.524 Verbraucherinnen und Verbraucher, davon 714 in Nordrhein-Westfalen. Ziel der Studie war es unter anderem, die Zufriedenheit der Verbraucher mit ihrer Situation, mit einzelnen Branchen und der aktuellen Verbraucherpolitik sowie den Leistungen der Verbraucherzentralen zu ermitteln. Laut Umfrage sind Verbraucher mit ihrer Situation nicht wirklich zufrieden. Lediglich 31 Prozent hatten nichts zu beanstanden.
Die Befragten glauben nicht, dass sich die Politik wirkungsvoll für die Interessen der Verbraucher einsetzt. Bundes- und Landesregierung (jeweils nur
9 Prozent Zufriedenheit) sowie die politischen Parteien (5 Prozent) erzielen nur mäßige Umfragewerte. Deutlich höher ist das Zutrauen der Bevölkerung zur Stiftung Warentest (59 Prozent) und zur Verbraucherzentrale (45 Prozent).
Als Anerkennung der Arbeit seiner Organisation wertet Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, die Ergebnisse auf die Frage nach der Bekanntheit der Verbraucherzentrale: „Hier schließen wir mit 90 Prozent inzwischen fast zur Stiftung Warentest (99 Prozent) auf, die schon seit Jahren die Bekanntheitsskala anführt.“ Gut ein Drittel der NRW-Bevölkerung hatte bereits in der einen oder anderen Form Kontakt zur Verbraucherzentrale. Diejenigen, die eine Beratung wünschten, äußern sich zufrieden mit dem Ergebnis. Nützlichkeit (82 Prozent) und Glaubwürdigkeit (72 Prozent) stechen aus Sicht der Verbraucher als Eigenschaften der Verbraucherzentrale besonders hervor. Die „Marke Verbraucherzentrale“ erhält bei diesen Image prägenden Eigenschaften nahezu Traumwerte. Müller: „Diese gute Beurteilung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier noch Verbesserungsbedarf besteht. Insbesondere das Thema der schwierigen telefonischen und persönlichen Erreichbarkeit sehen gerade die Verbraucher, die schon einmal Kontakt zu uns hatten, besonders kritisch.“
Ein differenziertes Bild ergibt sich bei der Frage, ob und wie Anbieter an der Finanzierung der Verbraucherarbeit beteiligt werden können. Eine Unterstützung einzelner Unternehmen in Form direkter Spenden lehnen großen Teile der Verbraucher ab. Gleichzeitig findet der Vorschlag breite Zustimmung, die Wirtschaft an der Finanzierung zu beteiligen, wenn dies formal und ohne Einflussnahme geregelt ist. Vom „Werbegroschen“ bis zu Stiftungs- und Fondsmodellen werden nahezu alle Formen gewünscht, die die bisherige Unabhängigkeit der Verbraucherzentralen nicht gefährdet. Die Schließung von Beratungsstellen wäre jedoch für die Befragten keine Alternative zu rückläufigen öffentlichen Mitteln.
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