Wer als Rentner ins Ausland reist und sich für gesundheitliche Notfälle krankenversichern will, muss bei den meisten Anbietern viel tiefer in die Tasche greifen als junge Globetrotter. Bisweilen verweigern die Gesellschaften sogar den Schutz. Dies ergab eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei zehn Versicherungen.
Für Urlauber kann ein Notfall im Ausland immense Kosten verursachen. Zwar stehen deutschen Kassenpatienten zumindest im europäischen Ausland die wichtigsten Versorgungsleistungen bei Unfall oder Krankheit zu. Doch im Ernstfall können stattliche Eigenbeteiligungen fällig werden. Manche wichtige Sonderleistungen wie etwa den Rücktransport nach Deutschland schließen Krankenkassen aus. “Daher ist bei jedem Auslandsurlaub der Abschluss einer Reisekrankenversicherung empfehlenswert”, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW.
Doch Vorsicht: Die Branche überrascht mit einem regelrechten Tarifdschungel. Je nach Alter und Familienstand müssen unterschiedliche Beiträge berappt werden. Junge Einzelreisende kommen dabei am billigsten weg. Sie zahlen bei Debeka oder HUK Coburg nur sechs Euro pro Jahr. Die Süddeutsche (12 Euro) und ADAC (12,80 Euro für Nichtmitglieder) kassieren dagegen schon den doppelten Beitrag. Ärgerlich: Schon mit 60 Jahren verdoppeln sich bei der Hamburg- Mannheimer (17 Euro) und bei der DEVK (15 Euro) die Prämien.
Ab 70 wird´s gar noch teurer: Die DEVK verlangt dann 22,50 Euro für den Vertrag, während die Hamburg-Mannheimer erneut - auf nunmehr 34 Euro - verdoppelt. Am teuersten kommt das Altern in der Stichprobe der Verbraucherzentrale bei der Europäischen. Mit 65 Jahren nämlich steigt der jährliche Obolus von moderaten 9,50 Euro auf satte 29 Euro. Knapp dahinter rangiert der ADAC, der bei Nichtmitgliedern ab 66 Jahren 28 Euro für angemessen hält.
Ebenfalls im Club der Firmen, die bei Alter an Zuschlag denken: HUK Coburg und Süddeutsche. Während HUK-Kunden mit 70 Lenzen 17 Euro statt sechs zahlen müssen, nimmt die Süddeutsche ab 71 Jahren 21 statt 12 Euro. Damit nicht genug. Vier Gesellschaften in der Stichprobe weisen Ältere sogar ab. So dürfen neue Kunden des Direktversicherers Asstel höchstens 68 Jahre alt sein, die Allianz zieht die Grenze bei 69 Jahren, bei der Europäischen wiederum ist mit 75 Schluss. Eine kuriose Regelung hat der ADAC: Beim Club gibt´s für Nichtmitglieder ab 66 Jahren grundsätzlich keine Police mehr. Wer jedoch vor dieser Altersgrenze einen Jahresvertrag abgeschlossen hat, der sich automatisch verlängert, darf maximal noch zehn Jahre länger Auslandsreise- Schutz genießen.
Ab 76 Jahren schließlich gibt´s den ADAC-Reise-Vertrag nur noch für Urlauber, die bereits “seit mindestens drei Jahren” als offizielles Mitglied die Club-Zeitschrift “Motorwelt” beziehen. Dafür allerdings sinkt der Beitrag von 28 auf 22,50 Euro. Rühmliche Ausnahme unter den zehn untersuchten Assekuranzen ist die Debeka, die weder Alterslimit noch Alterszuschlag kennt. Den Versicherungsschutz gibt es für Einzelreisende jeden Alters für sechs Euro.
Mit einem ähnlichem Tarife- Wirrwarr müssen sich auch Familien auseinandersetzen. Während sich Familien zum Pauschalpreis zwischen 14 Euro (Allianz) und 24 Euro (Süddeutsche) versichern können, hängt bei der altenfreundlichen Debeka der Preis von der Anzahl der Familienmitglieder ab. Bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres werden 2,50 Euro pro Person fällig, danach sechs Euro. Keine Unterschiede macht die DEVK bei ihrer Kopfpauschale von 7,50 Euro zwischen Erwachsenen und Kindern – eine fünfköpfige Familie zahlt somit happige 37,50 Euro pro Jahr. “
Mit dem Wildwuchs bei den Alters- und Familienstaffelungen erschweren die Versicherer den Tarifvergleich”, kritisiert Verbraucherschützerin Elke Weidenbach. Gerade ältere Reisende sollten das Kleingedruckte schon beim ersten Vergleich genau studieren, sagt Weidenbach: “Wer vermeiden will, dass er aufgrund seines Alters ein Mehrfaches des Standardtarifs zahlt oder seinen Antrag umsonst ausgefüllt hat, sollte unbedingt einen kritischen Blick auf die Altersgrenzen werfen.”
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