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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

13.08.2008
Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW

Ein Tag – ein Produkt – ein Superpreis: unter diesem Motto bitten Dutzende Onlineportale neuerdings zum so genannten Live-Shopping. Die Überraschung dabei: Bei einer Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW lösten die Verkäufer ihre Preisversprechen fast immer ein - wenn auch bisweilen mit einigen Macken im System.

Mal gilt ein Sparangebot beim Live-Shopping zwölf (Myby.de), mal 72 (Dealirio.de), in der Regel aber 24 Stunden. Einige Portale habe sich auf Technik oder Kleidung, andere auf Schmuck oder Reisen spezialisiert; einige präsentieren ihre Schnäppchen schnörkellos, andere setzen auf den Spaßfaktor.

So versucht es etwa Schutzgeld.de mit dem „Preisverbrechen des Tages”. „Der Pate” ernennt Kunden zu „Gangmitgliedern”, denen er seine „heiße Ware” andrehen will: vom Alkoholtestgerät bis zum Wasserhahn, bei dem kaltes Wasser blau und warmes rot leuchtet - „für escht Gefühl-lose, deren Hornhaut an den Händen dick ist wie Calmund überall”.

Myby.de dagegen will mit dem in knallroten Farben präsentierten „Mylight des Tages” für Kauf-Klick-Stimmung sorgen. Der Anbieter gehört zu einer Gruppe von Onlineshops, die jeweils ein Produkt aus ihrem umfangreichen Sortiment zum Highlight für wenige Stunden küren.

Erfreulich in jedem Fall: Schnäppchenjäger können oft erheblich sparen. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW. Bei insgesamt zehn Live-Shopping-Anbietern wählten die Tester jeweils zwei Produkte aus. Stets handelte es sich dabei um technisches Gerät wie etwa Bierzapfanlage oder Computermonitor. Dann bemühten sie gleich sechs verschiedene Suchmaschinen, die das Internet nach Billigpreisen durchforsten, um die kurzfristigen Offerten zu knacken.

Fast immer vergebens. Bei 19 von 20 Geräten waren die Live-Shopping-Angebote nicht zu schlagen. Chancenlos waren selbst die billigsten Verkäufer, die die Suchmaschinen ausspuckten. Sie verlangten von 3,6 Prozent bei einem TFT-Monitor (Preisbock.de) bis zu satten 51,7 Prozent bei einem Weltempfänger (Guut.de) mehr. Im Durchschnitt lagen die Billig-Händler so um mehr als ein Fünftel (20,8 Prozent) über der Live-Shopping-Konkurrenz.

In absoluten Zahlen hätten Sparfüchse mal vier Euro bei einem Alkoholtester (Schutzgeld.de) weniger berappt, mal wären es knapp 85 Euro für einen Photo Viewer (Topvision24.de) gewesen. Lediglich in einem Fall ermittelte eine der sechs Suchmaschinen einen eBay-Powerseller als Sieger. Dieser schlug Alternate.de bei einem PC-Gehäuse um 7,20 Euro oder knapp elf Prozent.

Doch trotz des Gesamterfolges: Auch Live-Shopping hat seine Haken. Für den gezielten Billigeinkauf beispielsweise taugen die Seiten nicht. Denn stets ist es eine Überraschung, welches Produkt für wenige Stunden frei geschaltet wird. Da erscheint es wie ein Lottogewinn, wenn ausgerechnet das bereits vorher ins Visier genommene Modell einer Digitalkamera dabei wäre.

So manche Offerte entzieht sich zudem dem Preisvergleich. Da wird einfach eine „Pastamaschine” oder eine „Gartensteckdose” beworben: ohne den Hersteller oder den Typ zu benennen. Einen mit Nummern und Buchstaben gekennzeichneten Markenfernseher fanden die Tester der Verbraucherzentrale NRW weder in den Preisdatenbanken noch auf den deutschen Internetseiten des Herstellers.

Obendrein verführen viele Betreiber zum Spontankauf. Sie signalisieren per Verfügbarkeits-Anzeige einen knappen Lagerbestand. Dabei kann kein Kunde einschätzen, mit welcher Stückzahl an Notebooks oder Mikrowellen das Live-Shopping gestartet wird: mit 10 oder mit 10.000. Oft zählt zudem eine Stoppuhr die verbleibende Shoppingzeit sekundengenau herunter.

Tröstlich nur: Wer sich unter dem psychologischen Druck zum unbedachten Klick verleiten lässt, kann auf das gesetzliche Widerrufsrecht bauen. Es gewährt bei jedem Internetkauf 14 Tage, um die Ware daheim in Ruhe zu begutachten. Entspricht das Produkt nicht den Vorstellungen, kann es ohne Angabe von Gründen wieder zum Händler geschickt werden. Geld und Portokosten (bei Kaufbeträgen ab 40 Euro) gibt´s retour.

Dass Sprüche wie „wenn weg, dann weg” durchaus ihre Berechtigung haben können, zeigt der Check der Düsseldorfer Verbraucherschützer. So war bereits am späten Nachmittag jedes fünfte Schnäppchen (vier von 20) ausverkauft.

Beschränkt ist in der Regel auch die erlaubte Bestellmenge. Bei der Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW durften sich Interessenten lediglich ein- bis maximal fünfmal bei Bierzapfanlage oder Alkoholtester bedienen. Ein Anbieter (Eltronics.de) zeigte sich flexibel, er variierte die Bestellmengen von Produkt zu Produkt.

Wichtig auch zu wissen: Nicht immer treten Betreiber der Live-Shopping-Seiten selbst als Verkäufer auf. Mitunter bieten sie anderen Händlern ihre Seite als Shop-Plattform an. Das ist entscheidend für die Gewährleistungsrechte. Wer fehlerhafte Ware reklamiert, für den ist dann allein der externe Händler die richtige Ansprech-Adresse.

Deutliche Unterschiede finden sich auch bei den Bezahlmöglichkeiten. Wie bei der Mafia üblich, besteht „der Pate” von Schutzgeld.de stets auf Vorkasse oder Barzahlung. Seine Devise: erst das Geld, dann die Ware. Andere Portale akzeptieren Kreditkarten, ziehen das Geld per Lastschrift oder teurer Nachnahme ein. Verbraucherschützers Liebling, die Zahlung nach Erhalt der Ware per Rechnung, offerierte hingegen kein Live-Shopping-Portal im Test.

In der Stichprobe waren die Live-Shopping-Portale:
Alternate.de (Klick auf ZackZack), Dealirio.de, Eltronics.de, Guut.de, Ibood.de, Myby.de (Klick auf Mylight), Onedealoneday.de, Preisbock.de, Schutzgeld.de, Topvision24.de.

Folgende Preissuchmaschinen waren im Einsatz:
Billiger.de, Evendi.de, Guenstiger.de, Idealo.de, Kelkoo.de, Preissuchmaschine.de.



Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link482031A.html