Bald wird deutlich, dass Verbraucherbildung sich nicht allein darauf beschränken kann, die Konsumenten von morgen mit den Spielregeln des Marktes vertraut zu machen. Denn auch Kinder und Jugendliche entwickeln sich – angesichts wachsender Kaufkraft durch Taschengeld oder Geldgeschenke – zu einer attraktiven Zielgruppe für die Werbung treibende Wirtschaft. Nicht zuletzt: Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche maßgeblich Konsumentscheidungen der Eltern mitbestimmen. So wundert es nicht, dass junge Menschen zunehmend vielfältigeren Werbeaktivitäten der Anbieterseite ausgesetzt sind.
Die Verbraucherzentrale NRW initiiert daher zum einen zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen, um Marketingstrategien transparent zu machen und Auswüchse auch verbraucherpolitisch anzugehen. Zum anderen erarbeitet sie Materialien für Multiplikatoren, um damit Handreichungen für eine Behandlung des Themas "Konsumwelt" in Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen.
Sie arbeitet fortan in den klassischen Bildungsbereichen von Kindertageseinrichtungen, Schulen sowie in der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Sie entwickelte Konzepte und Modellprojekte, die sie gemeinsam mit Erziehern, Lehrern, mit in der Jugendarbeit Tätigen oder in der Erwachsenenbildung erprobt und auswertet. Die Ergebnisse fließen in Materialien für die jeweiligen Multiplikatoren ein. "Der jugendliche Verbraucher in der Marktwirtschaft", "Grüne Pause - Lernort Schulkiosk" oder "Jugendmarketing der Kreditinstitute" lauten hierbei einige der Titel. Angesichts der vielfältigen Probleme von Kindern, Jugendlichen und Eltern im Umgang mit Konsum und Werbung beschränkte die Verbraucherzentrale NRW ihre Aktivitäten nicht nur allein auf Prävention und Information, sondern setzt auch kinder- und jugendpolitische Akzente zu setzen.
Zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen haben zum Ziel, die Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche in der Konsumgesellschaft zu verbessern: "Stop für Kinderfänger", um den Handel zwischen 1992 und 1994 zu bewegen, Süßigkeiten, Spielzeug und andere kinderspezifische Artikel aus der Kassenzone zu entfernen, oder "Jugendmarketing der Kreditinstitute", um rechtswidriger Kreditgewährung an Jugendliche Einhalt zu gebieten, stehen hierfür beispielhaft.
Darüber hinaus entwickelt die Verbraucherzentrale NRW zu einer Reihe verbraucherpolitisch bedeutsamer Themen Stellungnahmen, so u. a. zur Regelung der Werbung mit und für Kinder. Nicht zuletzt aufgrund diesbezüglicher Aktivitäten der Verbraucherzentrale NRW, auch in den Gremien der damaligen Landesanstalt für Rundfunk, werden die Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrags und der Gemeinsamen Werberichtlinien der Direktoren der Landesmedienanstalten hinsichtlich der Werbung im Umfeld von Kindersendungen verschärft.
In dem Maße, in dem das Themenspektrum der Verbraucherbildung ausgeweitet wird, wandelt sich auch das Angebot der Beratungsstellen an Schulen. Nunmehr stehen Angebote, die den sich wandelnden Stellenwert der jeweiligen Themen widerspiegeln, auf dem Programm: "Rechte als Verbraucher", "Umgang mit Geld" oder "Erste eigene Bude", "Handy" oder Angebote zur finanziellen Allgemeinbildung.
Darüber hinaus bieten insbesondere Umwelt- und Ernährungsberatung ein umfangreiches Angebot für Schulen, um sie bei der Durchführung bestimmter Projekte zu unterstützen.
1991 führt die Verbraucherzentrale NRW mit der Fachhochschule Niederrhein eine Untersuchung zur Verpflegungssituation an Ganztagsschulen durch. Dabei zeigt sich, dass die "Empfehlungen des Kultusministers zum Verkauf von Speisen und Getränken in Schulen" nur in wenigen Einzelfällen umgesetzt waren.
Seit Ende 1997 bieten die Verbraucherzentrale NRW und die Hochschule Niederrhein Schulen sowie anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen professionelle Hilfe an, indem sie das jeweilige Verpflegungsangebot einer gründlichen und ganzheitlichen Prüfung unterziehen. Das Verfahren ist denkbar einfach: Anbieter können von einer Schule vorgeschlagen werden oder sich mit ihren Leistungen selbst ins Spiel bringen. Die Ergebnisse der Überprüfung werden im Internet veröffentlicht.
Die Verbraucherzentrale NRW ist von 1994 - 1997 bundesdeutscher Koordinator des von der Europäischen Kommission finanzierten Wettbewerbs "Junge Verbraucher in Europa", dessen Ziel es ist, Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit dem Europäischen Binnenmarkt für Verbraucherthemen zu sensibilisieren. Er richtet sich an Schulkassen und Jugendgruppen im Alter von zwölf bis 14 Jahren. 1994 lautet das Motto "Wie entscheide ich mich für ein Produkt?", während 1995 Arbeiten zum Thema "Wir erstellen eine Werbung für ein Nahrungsmittel" gefragt sind.
Ende der 1990er Jahre richtet die Verbraucherzentrale NRW ihre Aktivitäten im Bereich der schulischen Verbraucherbildung auf das sich wandelnde Lernen in der Informationsgesellschaft aus:
Unterrichtsmaterialien werden nicht mehr als Printprodukkte vertrieben, sondern online auf dem Bildungsserver des Landes Nordrhein-Westfalen gestellt. Die Verbraucherzentrale beteiligt sich zudem an dem von der NRW-Landesregierung 1996 ins Leben gerufenen Projekt "NRW-Schulen ans Netz – Verständigung weltweit", setzt bei der nordrhein-westfälischen Bildungsinitiative "Lernen in der Informationsgesellschaft" Akzente und erprobt darüber hinaus – gefördert durch die Europäische Kommission – in dem Projekt "Einkaufen im Internet" erstmals mit Schulen aus Deutschland und Luxemburg Schulpartnerschaften via Internet. Aus den Erfahrungen entsteht ein Material für Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen, das grundsätzliche inhaltliche und didaktisch-methodische Hilfestellungen für die länderübergreifende gemeinsame Bearbeitung konsumrelevanter Fragestellungen im Internet bietet. Angesichts knapper öffentlicher Kassen bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an Schulen als Anbieter von Bildung wird in Nordrhein-Westfalen 1998 das bis dato geltende generelle Werbeverbot auf den Prüfstand gestellt: Denn auch die Bereitschaft seitens der Wirtschaft, einzelne Schulen oder Schulprojekte zu sponsern, nimmt deutlich zu. Die Verbraucherzentrale NRW begleitet die Diskussion mit einem umfassenden Kriterienkatalog, um befürchteten Folgewirkungen durch das Schulsponsoring entgegenzuwirken. Dabei steht die strikte Trennung von Werbung und Sponsoring ganz obenan.
Die neuen technischen Möglichkeiten bieten Gelegenheit, sich viel stärker als in der Vergangenheit direkt an junge Menschen zu wenden. 2001 geht die Verbraucherzentrale NRW mit dem Jugendmagazin "checked4you" online.



