In einer Stichprobe orderte die Verbraucherzentrale NRW per Internet 20 Kurzzeit-Abos mit Extra-Prämie. Doch das erhoffte Lesevergnügen wurde geschmälert: durch lange Wartezeiten auf das erste Heft und noch längere auf die oftmals enttäuschenden Prämien.
”Testen und Sparen” lockt das Internet. ”Für Probierfreudige” halten dort viele Zeitschriften-Verlage ein Miniabonnement bereit. Mal gibt es drei Ausgaben einer Monats-, mal 13 Hefte einer Wochenzeitung zu Preisen zwischen vier und 30 Euro.
In der Regel winken dabei Ersparnisse um die 30 Prozent gegenüber dem jeweiligen Kioskpreis. Obendrein erfreuen zumeist Sachprämien: vom Taschenmesser, übers Klapphandy bis hin zum dreiteiligen Kofferset.
20 dieser Kurzzeitabos orderte die Verbraucherzentrale NRW via Internet. Darunter waren Garten- und TV-Zeitschriften sowie Wirtschafts-, PC- sowie Lifestyle-Magazine. Das Positive zuerst: Kein Verlag machte aus einem kurzen Spar-Abo späterhin eine teure Langzeit-Bindung. Alle Kündigungen wurden ohne Vorbehalt akzeptiert.
Demgegenüber standen jedoch lange Wartezeiten auf das erste Heft und noch längere auf die Prämie. Ebenso schmälerten von Abo zu Abo abweichende Geschäftsbedingungen und andere Widrigkeiten den Genuss vieler Leseproben.
Beispiel Abostart: Am schnellsten verband hier das Technik-Magazin Connect Leser und Lektüre. Das erste Heft lag nach zehn Tagen im Briefkasten. Dagegen stiegen die beiliegenden Duftproben aus dem Modemagazin GQ dem Abonnenten erst nach 51 Tagen in die Nase. Im Schnitt mussten die Verbraucherschützer 24 Tage warten, bis sie das jeweils erste Druckwerk in Händen hielten. Jeder dritte Verlag trödelte sogar einen Monat und länger.
Enttäuscht wird in der Regel, wer beim Abschluss des Abos die Auslieferung der aktuell beworbenen Ausgabe erwartet. Allein die Gartenzeitschrift Kraut & Rüben startete mit dem gerade im Handel erhältlichen Heft. Alle anderen Konkurrenten begannen mit der nächstfolgenden Ausgabe. Ausnahme: Das Verbrauchermagazin Guter Rat stellte nach der Begrüßungs-E-Mail jeden weiteren Kontakt ein. Hefte und Prämie blieben aus.
Viel Geduld brauchte es oft auch bei den Prämien. Im Schnitt dauerte es 36 Tage, bis Messerblock, Anti-Virus-Software und Wurfscheibe für Hunde eintrafen. Die erste Prämie, eine Armbanduhr (Connect), tickte nach drei Tagen am Arm des Testers; die letzte, ein Poker-Set (PM-Magazin), war nach 77 Tagen schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Jede dritte Prämie schaffte den Weg zum Kunden nicht binnen zwei Monaten.
Überaus unterschiedlich ist die Abwicklung des Abos gestaltet. So meinten beispielsweise fünf Verlage, vor dem Heft erst mal die Rechnung präsentieren zu müssen. Jede vierte Prämie wiederum kam vor der Rechnung. Viermal waren Wetterstation und Taschenmesser schneller als das erste Magazin.
Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Qualität vieler Prämien: Nahezu jedes dritte Paket führte jedenfalls zu langen Gesichtern bei den Testern. Ein ”Tipp-Kick-Set” etwa bestand lediglich aus einem Spieler samt Ball und wackligem Plastiktor. Ärgerlich auch ein Mp3-Player, dem die in der Werbung abgebildete und für den Betrieb unabdingbare Speicherkarte fehlte.
Ein Kopfhörer wiederum wurde mit einer abgelösten, nicht mehr zu befestigenden Ohrmuschel geliefert. ”Solche Fehler sollten Abonnenten reklamieren”, rät Iwona Gromek, Juristin der Verbraucherzentrale NRW. Denn die Zugaben müssen in einwandfreiem Zustand geliefert werden.
Aber es ging auch großzügig. So wurde zunächst statt eines ausgelobten Klapphandys ein deutlich einfacheres Modell geliefert. Auf Nachfrage kam zusätzlich das ursprünglich avisierte Mobiltelefon, mitsamt einem zweiten Prepaid-Guthaben in Höhe von fünf Euro.
Stichwort Kündigung. Wer nach dem Schnuppern die Nase voll hat, sollte das Abo stets fristgerecht kündigen. ”Am sichersten klappt das per Einschreiben mit Rückschein”, sagt Verbraucherschützerin Gromek. Das kostet 3,85 Euro zusätzlich zum Briefporto.
Günstiger ging´s bei der Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW. Die Tester verschickten ihre E-Mail-Kündigung grundsätzlich zehn Tage nach Erhalt des ersten Heftes und forderten erfolgreich eine umgehende schriftliche Bestätigung vom Verlag ein.
Wer ohne Beleg für eine fristgerechte Kündigung dasteht, kann das Magazin im Streitfall oftmals erst nach einem Jahr wieder kündigen. Solch langfristige Bindung sucht jede vierte Zeitschrift im Check. Das Gros der Verlage gewährte immerhin eine verbraucherfreundliche monatliche Kündigungsmöglichkeit. Allein beim Satireblatt Titanic war Schnuppern ohne Reue garantiert. Das Miniabo endete automatisch nach drei Ausgaben - ohne dass Probeleser kündigen mussten.
Auf unterschiedliche Art besorgen sich die Verlage das Einverständnis für spätere Werbeanrufe und -E-Mails. Gerade mal bei der Hälfte der Miniabos mussten die Besteller dem explizit zustimmen, indem sie ein entsprechendes Kästchen ankreuzten. Auf vier Formularen war das Häkchen bereits rechtswidrig eingefügt; sechs Verlage verzichteten auf Informationen zu möglichen künftigen Reklameattacken.
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