Selbst der Bundesfinanzminister hat derzeit seine Pumphosen hervorgekramt, um die Folgen der Finanzkrise abzufedern. Da will der Elektrohandel offensichtlich nicht zurückstehen. Der versucht, den Konsum vermehrt mit zinslosen Finanzierungsangeboten anzukurbeln. Auswüchse alarmieren die Verbraucherzentrale NRW.
Aktuell nehmen die Verbraucherschützer die Rewe-Tochter ProMarkt ins Visier. Deren Prospekt aus der ersten Januarwoche verblüffte durchgängig mit besonders niedrigen Preisen. Alle 24 Marken-Artikel, von der Xbox-Konsole über den Kaffeevollautomaten bis zum 50-Zoll-Plasmafernseher, glänzten mit rotfetten Preisen von gerade mal elf bis 55 Euro.
Erst auf den zweiten Blick wurde deutlich: Hervorgehoben waren, mit Sternchen, die Preise der Monatsraten, die der Kunde bei zweijähriger zinsloser Finanzierung seiner Traumgeräte zu zahlen hätte. Wer den Sternen folgte, traf auf den rund gerade mal ein Zehntel kleinen jeweiligen "Abhol-Barpreis": zwischen 264 und 1320 Euro für Rasierer und Plasmaglotze.
Der Effekt: Die Herausstellung der kleinen Raten "verführt die Kunden ganz massiv, sich blenden zu lassen und in die Schuldenfalle zu tappen", kritisiert Stefanie Laag, Schuldnerberaterin der Verbraucherzentrale NRW. Fix seien neben Plasmafernseher und Spielekonsole auch noch eine Digitalkamera und ein Geschirrspüler geordert: für insgesamt 116 Euro - aber Monat für Monat, zwei Jahre lang. So geht es schnell, dass der Überblick über die Konsumverschuldung verloren geht.
Ärgerlich: ProMarkt ist nicht allein. Auch die Konkurrenten Saturn und MediaMarkt haben bereits Erfahrungen mit solchen Verführ-Prospekten gemacht. "Es gibt immer wieder Flyer, in denen wir die Ratenpreise in den Vordergrund stellen", sagt Sprecherin Christine Knoepffler.
Da aber will Beate Wagner vor sein. Die Juristin der Verbraucherzentrale NRW droht mit Abmahnung wegen Wettbewerbsverstoßes. "Laut Preisangabenverordnung sind in Prospekten stets die Endpreise und nicht die jeweiligen Monatsraten hervorzuheben", stellt Beate Wagner klar.
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