Tagesgeld und Co.: Anlegen ohne Risiko

Warum Sie für höhere Gewinne auch höhere Risiken eingehen müssen

Viele Menschen wünschen sich eine hohe Rendite. Gleichzeitig wollen sie ihr Geld aber auch sicher anlegen. Welche Rendite können Sie realistischerweise erwarten, wenn Sie Ihr Geld sicher anlegen wollen? Und wo beginnt das Risiko, wenn Ihnen jemand mehr verspricht?

Der risikolose Zins


Den risikolosen Zins erhalten Sie, wenn Sie Ihr Geld auf einem Tagesgeldkonto bei einer Bank anlegen, die der deutschen Einlagensicherung unterliegt. Tagesgeld ist eine kurzfristige Geldanlage, über die Sie - wie der Name schon sagt - täglich verfügen können.

Der risikolose Zins ist recht einfach zu ermitteln. Geben Sie bei einer Suchmaschine wie Google oder Yahoo einfach die beiden Begriffe "Übersicht" und "Tagesgeld" ein.

Jetzt klicken Sie eine oder mehrere der Übersichten an, auf denen die Zinssätze verglichen werden. Sie erkennen sofort die Größenordnung, die Sie erwarten dürfen. Vor der Finanzkrise des Jahres 2008 durften Anleger mit drei bis vier Prozent Rendite bei Tagesgeldkonten rechnen. Derzeit sind es lediglich um dies zwei Prozent.

Warum bieten einige Anbieter für Tagesgeld deutlich mehr?


Hierfür kann es zwei Gründe geben.

  1. Tagesgelder werden von einigen Banken als Akquiseinstrument (Lockmittel) eingesetzt, um neue Kunden zu gewinnen. Für einen begrenzten Zeitraum erhalten Neukunden unter bestimmten Voraussetzungen einen Zinsbonus. Bei einer höheren Rendite aus diesem Grund bestehen die wenigsten Bedenken. Das größte Risiko besteht hier darin, dass Sie von nun an regelmäßig Werbepost von diesem Institut bekommen.
  2. Banken, die nicht der deutschen Einlagensicherung unterliegen, bieten oft ebenfalls einen Zinsbonus. Hier sollten Sie vorsichtig sein. Für den Fall, dass die Bank insolvent wird, kann Ihr Geld (teilweise) verloren sein. Oder Sie kommen vielleicht "einfach nur" eine bestimmte Zeit nicht an Ihr Geld. Kunden der isländischen Bank Kaupthing Edge haben im Jahr 2008 bittere Erfahrungen machen müssen, was im Ernstfall passieren kann, wenn eine Bank nicht der deutschen Einlagensicherung unterliegt.

Was passiert, wenn Sie Ihr Geld zu diesem risikolosen Zins anlegen?


Im Regelfall ist der Zinssatz, den Sie beim Tagesgeld bekommen, ähnlich hoch wie die Inflation. Sie erhalten also in etwa die Kaufkraft Ihres Geldes. Sie machen ein kleines Plus, wenn der Zinssatz höher ist als die Inflation. Ist die Inflationsrate höher, kann es real auch zu einem kleinen Minus kommen. Und falls Ihr Freibetrag ausgeschöpft ist, müssen Sie Abgeltungssteuer zahlen.

Warum können Sie bei einigen Anlagen mehr Rendite bekommen als beim risikolosen Zins?


Ein Mehr an Rendite müssen Sie sich sozusagen erkaufen. Entweder verzichten Sie auf Liquidität, kommen also nicht mehr so schnell an Ihr Geld heran. Oder Sie verzichten auf Sicherheit, gehen also Risiken ein. Also:

Mehr Rendite können Sie nur bekommen, wenn Sie auf Liquidität oder Sicherheit verzichten!

Was kann passieren, wenn Sie auf Liquidität verzichten?


Sie vereinbaren mit der Bank, dass Sie eine bestimmte Zeit nicht über Ihr Geld verfügen können. Dies kann ein Zeitraum von 30 Tagen (Festgeld), aber auch von zehn oder mehr Jahren sein (Sparbrief). Am Ende erhalten Sie Ihr Kapital zu 100 Prozent wieder und in der Zwischenzeit die vereinbarten Zinsen, die im Normalfall höher sind als der risikolose Zins. Solange Sie nicht vorzeitig an Ihr Geld müssen und die Höchstgrenzen der deutschen Einlagensicherung beachten, gehen Sie kein Risiko ein. Allerdings können Sie während der Vertragslaufzeit nicht von einem steigenden Zinsniveau profitieren, da Sie an die dann niedrigen Zinsen gebunden sind.

Schwierig wird es, wenn Sie doch an Ihr Geld müssen. Vielleicht dürfen Sie den Betrag ohne Abzüge (teilweise) vorzeitig zurückgeben, wie zum Beispiel bei Bundesschatzbriefen. Wenn nicht, sind Sie auf die Kulanz der Bank angewiesen. Möglicherweise erhalten Sie keine Habenzinsen, machen Verluste beim vorzeitigen Verkauf oder müssen teuer mit einem Darlehen zwischenfinanzieren.

Je länger die Laufzeit ist, desto weniger können Sie überblicken, ob Sie tatsächlich über den ganzen Zeitraum Ihr Geld nicht benötigen. Sie sollten sich also genau überlegen, wie lange Sie sich vertraglich binden. Und Sie sollten nur dann länger auf Ihr Geld verzichten, wenn Sie sich einen hohen Zinssatz sichern können. In Niedrigzinsphasen sind langfristige Geldanlagen nur in Ausnahmefällen sinnvoll, da Sie von einem steigenden Zinsniveau nicht profitieren können.

Was kann passieren, wenn Sie auf Sicherheit verzichten?


Sie erhalten die Chance auf eine höhere Rendite, wenn Sie bereit sind, Risiken einzugehen, zum Beispiel das Emittentenrisko, das Kursrisiko oder das Währungsrisiko. Es ist wie eine Wette: Sie wetten, dass die Risiken nicht eintreten. Dann erhalten Sie das, was Sie sich erhofft haben: die höhere Rendite als beim risikolosen Zins. Falls Sie die Wette verlieren, machen Sie Verluste.

Es gilt: je größer die Differenz der Renditeerwartung zum risikolosen Zins ist, desto mehr Risiko gehen Sie ein. Der Erwerb von Anteilen an einem Investmentfonds, der eine Rendite von fünf Prozent verspricht und zudem als Sondervermögen geschützt ist, ist nicht gleichzusetzen mit dem Kauf einer Aktie im Bereich der Emerging Markets, die möglicherweise eine deutlich höhere Rendite verspricht. Je höher das Risiko, desto mehr Rendite ist möglich, desto höher können aber auch die Verluste sein - bis hin zum Totalverlust.

Bei der Frage, ob Sie Risiken eingehen sollten, vergegenwärtigen Sie sich zwei Dinge:


  1. Wenn Sie kein Risiko eingehen wollen, dürfen Sie nicht mehr erwarten als den risikolosen Zins. Das ist der Preis der Sicherheit.
  2. Wenn Ihnen der risikolose Zins nicht reicht, dürfen Sie nicht überrascht sein, wenn Risiken eintreten und Sie Verluste machen. Das ist der Preis der Renditechance.

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