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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

14.10.2009
Bisphenol A in Babyfläschchen und Schnullern

Die Chemikalie beunruhigt. Denn Bisphenol A ähnelt Hormonen und kann deshalb die Balance der Hormone im Körper stören. Umso schlimmer, dass der Stoff in Babyfläschchen steckt und sich nun auch in Schnullern fand. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt jetzt, auf unbedenkliche Produkte auszuweichen.

Rätseln über Sauger


Bisphenol A dient dazu, den Kunststoff Polycarbonat herzustellen. Außerdem wird die Substanz gebraucht, um Beschichtungen aus Epoxidharz zu produzieren, mit denen Trinkwasserleitungen saniert werden. Im fertigen Kunststoff und in der ausgehärteten Beschichtung lassen sich Spuren von Bisphenol A nachweisen. So erklärt sich auch, dass bei der kürzlichen Untersuchung des "BUND für Umwelt und Naturschutz" die Kunststoffschilde der Schnuller die höchsten Bisphenol-A-Konzentrationen aufwiesen. Denn die Halter bestanden – mit einer Ausnahme – aus Polycarbonat. Dagegen fehlt die eindeutige Antwort, wie Bisphenol A in die Sauger gelangen kann. Entweder der Stoff entweicht aus den Schilden oder er steckt – für die Fachwelt Besorgnis erregender – schon im Silikon und Latex der Schnuller.

Risiko der Anreicherung


Die in den Schilden nachgewiesenen Konzentrationen – zwischen 200 und fast 2.300 Milligramm pro Kilogramm – erscheinen zunächst sehr hoch. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass aus dem harten Kunststoff – wenn überhaupt – nur winzigste Mengen gelöst werden könnten. Und selbst wenn binnen vier Wochen sämtliches Bisphenol A aus dem am stärksten belasteten Sauger gelutscht würde, wäre der so genannte TDI-Wert (akzeptable lebenslange Aufnahmemenge pro Tag) deutlich unterschritten. Dennoch empfiehlt die Verbraucherzentrale, Produkte mit Bisphenol A zu meiden. Denn die Chemikalie gelangt mittlerweile auf verschiedenen Wegen in die Umwelt und über die Lebensmittel in den menschlichen Körper. Die mögliche Folge: Bisphenol A reichert sich im Organismus an und führt langfristig zu Erkrankungen.

Alternativen zu Polycarbonat-Produkten


Gerade Babys und Kleinkinder sollten daher der problematischen Substanz so wenig wie möglich ausgesetzt werden. Deshalb ist es ratsam, den Nachwuchs aus Glas- oder anderen Kunststoff-Recycling SymbolFläschchen (etwa Polypropylen) trinken zu lassen. Auch bei Schnullern finden sich Alternativen zu Polycarbonat-Fabrikaten. Bei Produkten aus Polycarbonat (PC) steht im dreieckigen Recycling-Symbol die Ziffer "0", bei Fläschchen aus Polypropylen (PP) die Kombination "05". Unter den Zeichen können sich die Buchstaben "PC" oder "PP" befinden.

Achtung: In keinem Fall sollten Flüssigkeiten in Fläschchen aus Polycarbonat in der Mikrowelle erhitzt werden - dadurch wird das Polycarbonat gespalten und Bisphenol A geht in die Flüssigkeit über.

Verbot in Kanada


Schon einen Schritt weiter ist Kanada. Dort wurden auf Grund des öffentlichen Drucks Babyfläschchen aus Polycarbonat verboten. Wie sehr Vorsicht angebracht ist, zeigt eine gerade veröffentlichte Untersuchung aus den USA. Wissenschaftler der Universität von North Carolina stellten bei Kleinkindern Auffälligkeiten (geschlechtsuntypisches Verhalten) fest, die sich auf die Höhe der Bisphenol-A-Belastungen der Mütter während der Schwangerschaft zurückführen ließen.


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link623131A.html