Migrantinnen und Migranten, die die Verbraucherberatung nutzen, sind erfolgreich integriert! Plakativ zusammengefasst lautet so das Ergebnis eines sechsmonatigen Projekts, in dem die Stadt Münster und die Verbraucherzentrale NRW ausgelotet haben, wie dieser ehrgeizige Maßstab für gelungene Integration langfristig im Verbraucheralltag von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationsvorgeschichte münden kann. Zielgruppengerechte Beratungsangebote anzubieten, die Einrichtung und ihre Dienstleistungen bei Migrantinnen und Migranten bekannter zu machen sowie eine enge Vernetzung mit MultiplikatorInnen aus MigrantInnenorganisationen haben sich dabei als Schlüssel für eine multikulturelle Akzeptanz und Nutzung von Verbraucherberatung erwiesen. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Institut für Praxisentwicklung und Evaluation der Universität Münster.
Gut 23 Prozent der Münsteraner Bevölkerung hat eine Migrationsvorgeschichte, Menschen aus 140 verschiedenen Nationen leben und arbeiten hier. Bereits 2008 hat die Stadt Münster mit der Verabschiedung des Leitbilds "Migration und Integration" wichtige Rahmenbedingungen formuliert, um die Integration von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in allen Bereichen des gesellschaftlichen (Stadt-)Lebens zu fördern.
"Die Unterstützung des Projekts‚ Verbraucherberatung für Migrantinnen und Migranten’ ist ein weiterer Baustein in diesem Programm", erklärte Jochen Köhnke, Dezernent für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten der Stadt Münster.
Hintergrund: Fehlende Konsumkompetenzen sind oftmals Ursache vieler Benachteiligungen von Migrantinnen und Migranten: Der Abschluss überteuerter Kredit- oder unsinniger Versicherungsverträge, mangelnde Kenntnisse über Gesundheitsgefahren durch Feuchtigkeit und Schimmel in Wohnräumen oder über Stolperfallen in Telekommunikationsverträgen sind hierbei nur einige Beispiele.
"Während die Verbraucherberatung von großen Teilen der deutschen Bevölkerung als selbstverständliche Anlaufstelle rund um Verbraucherfragen und -probleme genutzt wird, ist sie Menschen mit Migrationsvorgeschichte vielfach fremd", berichtet Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, "doch nur wer seine Rechte kennt, Angebote zur anbieterunabhängigen Information nutzen kann und Unterstützung findet, um die wachsenden Anforderungen des Konsumalltags zu managen, kann in unserem Wirtschaftssystem als mündiger Verbraucher auftreten." Dies gelte insbesondere für Menschen, die eine andere kulturelle Prägung hätten oder mit anderen Rechts- und Wirtschaftssystemen vertraut seien.
Im Projekt "Verbraucherberatung für Migrantinnen und Migranten" – wissenschaftlich begleitet vom Institut für Praxisentwicklung und Evaluation der Universität Münster – wurde von März bis August 2009 durch Interviews mit Beratungskräften der Verbraucherzentrale in Münster, mit Mitgliedern des Ausländerbeirats, von MigrantInnenselbstorganisationen und städtischen Ämtern ein multiperspektivischer Blick auf die Verbrauchersituation von Migrantinnen und Migranten geworfen. Fazit: Der Anteil der Ratsuchenden mit Migrationsvorgeschichte ist mit rund 25 Prozent durchaus hoch. Allerdings kommen Migrantinnen und Migranten zumeist erst, wenn konkrete Probleme zu lösen sind – jedoch nur selten, um sich vor dem Abschluss von Verträgen oder vor Kaufentscheidungen zu informieren. Die vielfältigen Dienstleistungen der Anlaufstelle für Verbraucherfragen hierzu sind weitgehend unbekannt. Als ausbaufähig wurden Beratungs- und Informationsangebote ausgemacht, die an die Lebenswelt der Menschen mit Migrationsvorgeschichte anknüpfen.
Die kulturelle Öffnung von Verbraucherberatung fördern könnten – so die Empfehlungen des Projektberichts – "Brückenpersonen" innerhalb von MigrantInnenorganisationen, die Verbraucherinformationen in familiäre Netzwerke und MigrantInnen-Communities tragen.
Allerdings: Systematische Verbraucherinformation für Migrantinnen und Migranten sowie die Vermittlung von Konsumkompetenzen an diese Zielgruppe bedarf zusätzlicher personeller wie finanzieller Ressourcen. Stadt Münster und die Verbraucherzentrale NRW haben verabredet, hierbei künftige Möglichkeiten auszuloten.
Den ausführlichen Projektbericht können Sie hier herunterladen.
Das Projekt wurde finanziert von der Stadt Münster und vom Verbraucherzentrale Bundesverband, der schon eine Reihe von Studien zur Verbraucherarbeit für Migrantinnen und Migranten initiiert und begleitet hat.
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