Ein Ärgernis beim diesjährigen Online-Weihnachtseinkauf: häufig nicht nachvollziehbare Versandkosten. Das offenbarte ein Check der Verbraucherzentrale NRW bei 100 Internetshops.
Versandkosten sind ein wichtiger Preis-Bestandteil bei Online-Bestellungen. Häufig als Pauschale oder nach Gewicht, bisweilen nach dem Warenwert berechnet, gelegentlich auch "geschenkt", schlagen sie unterschiedlich zu Buche. Bei 100 Internet-Shops verglich die Verbraucherzentrale NRW die Kosten, wenn Kunden sich für Vorkasse entscheiden.
Gecheckt wurde jeweils 25-mal der Versand von Speicherkarten (wenige Gramm) und kleinen Tischrechnern, überprüft wurden die Lieferkosten für paketgroße Schlagbohrmaschinen und sperrige Flachbildfernseher (42 Zoll).
Das Ergebnis ist verwirrend. Beispiel Fernseher: Während viele Händler die sperrigen Geräte für rund 40 bis 65 Euro liefern wollten, begnügten sich fünf mit vergleichsweise geringen 5,90 Euro bis rund zehn Euro.Drei wollten kostenlos liefern: wobei einer unumwunden einräumte, dass die "Versandkosten im Preis enthalten" seien. Im Schnitt lag der Preis für die Lieferung der Fernseher bei 28,28 Euro.
Zum Vergleich: Bei Paketdiensten kostet der Versand eines Flachbildfernsehers mit gleichem Ausmaß und Gewicht zwischen 25,90 (Hermes) und 49,90 Euro (Iloxx).
Zum Teil drastische Unterschiede mussten die Tester auch bei den anderen Warengruppen notieren. Für die federleichten Speicherkarten wollten Online-Shops bis zu 8,95 Euro für die Verschickung kassieren. Im Schnitt waren es 5,44 Euro. Drei Internet-Shops versprachen, ihre Speicherkarten zum Nulltarif zu verschicken.
Verblüffend fiel dabei der Vergleich zu den fast 1000mal schwereren Schlagbohrmaschinen aus. Im Durchschnitt (4,26 Euro) wie in der Spitze (7,95 Euro) wurde die Heimwerker-Ware preisgünstiger versendet als die Speicherkarten. Gleich siebenmal sollten die Kilo schweren Geräte ohne Aufschlag geliefert werden. Paketdienste verlangen dafür zwischen 3,65 (Hermes) und 6,90 Euro (DHL).
Wieder anders wurde die Verschickung der Tischrechner kalkuliert. Kein Händler im Test mochte hier auf Erstattung der Paket-Auslagen verzichten. Bei Versandkosten zwischen 3,56 Euro und 8,95 Euro lag der Schnitt bei fast sechs Euro. Bisweilen überstieg das den Produktpreis.
Apropos Produktpreis. Mehr als jeder vierte Shop (28 von 100) verzichtete ab einem festgelegten Warenwert auf Versandkosten. Heftige Unterschiede gab´s allerdings auch in diesem Punkt: Mal lag die Frei-Grenze bei 20, mal bei 2000 Euro.
Ärgerlich: Nicht jeder Shop, der mit Versandkostenfreiheit wirbt, verschickt wirklich gratis. Zweimal wurden stattdessen Verpackungskosten, einmal ein Sperrgutzuschlag in Rechnung gestellt. Ein Shop wollte bei Bestellungen ab 150 Euro auf Versandkosten verzichten, kassierte aber weiterhin einen prozentualen Anteil an den Verpackungskosten.
Doch solche Kreativität hat ihre Grenzen. Iwona Gromek, Juristin von der Verbraucherzentrale NRW weiß, welche Kosten die Online-Shops ihren Kunden überhaupt in Rechnung stellen dürfen.
Dazu zählen die Portokosten inklusive eventueller Versandversicherungen, dazu gehören die Kosten für Verpackungsmaterial sowie "in angemessenem Rahmen" der Aufwand für die Verpackungsarbeit.
Verboten sei es dagegen, die Versandkosten in den AGB zu verstecken, sie nur vage oder als undurchschaubare "Klassen" anzugeben. Rechtliche Fouls, die die Verbraucherzentrale NRW bei ihrem Vergleich fand.
Teuer kann es werden, wenn, wie im Test, ein Anbieter Versand- und Verpackungskosten prozentual anhand des Produktpreises berechnet. Dabei bestehe die Gefahr, so Gromek, "dass bei hochpreisigen Waren ein Vielfaches des üblichen Versandpreises aufgeschlagen wird".
Besonders tricky: Einmal beeindruckte eine Schlagbohrmaschine durch rapide Gewichtszunahme. Während in Konkurrenz-Shops das Gerät mit einheitlich 2,2 Kilo ausgezeichnet war, legte es bei einem Versender um mehr als die Hälfte an Gewicht zu. Die Folge: Der Händler gedachte statt üblicher 5,40 nun 6,90 Euro Versandkosten zu kassieren.
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