29.11.2009 00:00:00
Liebe Leute,
Nachdem ich den Beispielfall 'Die Supergute Vermögensanlage' auf Finanzparasiten.de gelesen habe, kann ich nur noch heulen. Ichselbst habe mit 20 eine LV und eine RV abgeschlossen bei einem guten Kumpel von mir. Damals wurde ich belagert von MLP und Capital Future die regelmäßig Telefonterror betrieben um mit mir ins Gespräch/Vertrag zu kommen. Natürlich hatte mein Kumpel Olav P. mehr Plan der ganzen Sache da er 'unabhängiger' Finanzberater ist (DVAG) und ich hatte natürlich mehr Vertrauen zu ihm da er schließlich ein guter Kumpel war der mir sonst auch seine intimsten Geheimnisse anvertraut hat.
Dazu muss ich erwähnen, dass ich zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses erst seit knapp 2 Jahren in Deutschland lebte. Zwar habe ich als Niederländerin schon akzentfrei gesprochen, mein Vokabular war jedoch beschränkt. Und von Geldanlagen hatte ich null Ahnung, wie es wohl den meisten von uns geht. Ich war demnach vollkommen auf meinem Kumpel und Finanzberater angewiesen.
Beim ersten Termin besprachen wir meine finanzielle Lage, meine Wünsche, Ziele...der ganze Kram eben. Am Ende des Gespräches wurde ich aufgefordert 20 Euro zu entrichten. 'Das ist für die Beratung' erzählte er mir. Ich bekam dabei schon ein mulmiges Gefühl, aber ich vertraute ihn. Also weiter geht's.
Daraufhin erstellte mein Kumpel Olav P. eine Finanzbedarfsanalyse über ca. 300 Euro monatlich. Richtig! 300 Euro ist für eine Studentin mit eher exotischem Studienfach schon eine ganze Stange Geld. Mehrfach erzählte ich ihn von meiner Skepsis Versicherungen ggü. da sowohl mein Vater als auch meine Mutter mit diversen solcher Produkte schon auf die Schnauze gefallen waren. Er beruhigte mich, garantierte mir dass ich kein Geld verlieren werde und es sich hierbei um sichere Anlagen handelt. Dies war mir extrem wichtig, da für mich die oberste Bedingung war: Sicherheit. Hauptsache ich würde keinen Cent meiner Einzahlungen verlieren und keine Aktien. Wie ihr schon vermutet, wird alles anders kommen.
Die diversen überflüssigen Versicherungen die Olav P. mir versuchte anzudrehen, nahm ich nicht. Ich entschied mich für die Lebensversicherung (70 Euro monatlich) und Rentenversicherung (50 Euro monatlich). Da ich mit der LV Kapital aufbauen wollte für eine eventuelle spätere Selbständigkeit (wo Olav P. bei diesem Wunsch auch etwas nachgeholfen hat) hatte ich eine 15-jährige Laufzeit vereinbart. Mit 20 (und heute noch immer nicht) konnte ich mir nicht vorstellen auf Lebenszeit in 2 Produkten einzuzahlen. Meine Zukunft war und ist soweit weg, dass ich das nicht überblicken kann (wohl normal in dem Alter oder?). Immerhin hat er mir bei der Rentenversicherung davon überzeugen können diese langfristig zu planen also hatten wir dort 35 Jahren vereinbart. Ich habe auch eine schöne Zeichnung von Olav P., eine Pyramide für kurz-, mittel- und langfristige Anlagen. Dabei ist die LV als mittelfristig und die RV als langfristig eingetragen.
Soweit so gut. Ich zahlte 4,5 Jahren diese Beiträge die jedes Jahr auch noch eine Dynamik hatten von 10% (LV) und 7% (RV). Irgendwann wurde mir das zu teuer und ich bekam Liquiditätsprobleme. Mein Kumpel organisierte mir eine Auszeit. Leider buchte die Versicherung weiterhin die Beiträge von meinem Konto ab. Also habe ich diese stornieren lassen. Daraufhin bekam ich ein Kündigungsschreiben der Versicherung. Ich war in Panik! Jedoch hat mein Kumpel dies wieder hingebogen, die ausstehenden Beiträge wurden verrechnet und ich meine Verträge wurden für die nächsten 2 Jahre ruhig gestellt.
Die Zeit verging ein wenig. Ständig bekam nun mein Lebensgefährte Telefonanrufe von Olav P. der sich dabei nicht nur nach dem Wohl meines Freundes erkundigte. Der hatte nämlich außer eine Haftpflicht, keinerlei Versicherungen und war damit ein gefundenes Fressen.
Dann kam der schicksalhafte Moment als mein Vater mich besuchte (ich lebe seit meinem 16. Lebensjahr getrennt von meinen Eltern) und mir von seiner Misère mit seiner LV erzählte. Irgendwie hatte ich das äußerst unwohle Gefühl mir könnte dasselbe bevorstehen (längere Laufzeit als vereinbart, Wert nach 15 Jahren weniger als 50% von dem was er eingezahlt hat). Also griff ich mein Telefon und rief bei der Zentrale an. Es folgte ein kaltes Erwachen.
Der Mitarbeiter der AM Lebensversicherungs AG klärte mich darüber auf, dass ich zwei fondsgebundene Produkte habe mit einer jeweiligen Laufzeit von 39 Jahren. BAM! Dank der Wirtschaftskrise waren sie sogar kaum noch was wert. Ich hatte Olav P. zuvor schon danach gefragt, ob mein Geld denn noch sicher wäre, man hört ja soviel in den Medien. Da wurde herumgedruckst und mehr als ein 'Ja ja, das erholt sich wieder' bekam ich nicht. Ich war außer mir vor Wut, Enttäuschung und Sorge um mein Geld. Der Mitarbeiter der Versicherung schlug mir daraufhin vor eine Beschwerde einzureichen in der ich um die Aufhebung meiner Verträge auf Grund einer krassen Falschberatung bitte. Gesagt, getan.
Dazu wurde auch Olav P. um eine Stellungnahme gebeten. Beim Lesen seines Schundschreibens kam mir die Galle und das Frühstück gleichzeitig wieder hoch: Lügen, Märchen, Verschleierungstaktik, Widersprüche...das volle Programm! Diese Unwahrheiten betrafen nicht nur meiner Person, sondern auch der von ihm verkauften Produkte. Beispiel: ich spräche akzentfreies Deutsch und wäre daher auch in der Lage diese Verträge zu verstehen. Ich wollte auch nie irgendwelche Risikoprodukte, bekam aber fondsgebundene Produkte. Daraufhin fällt ihm nichts besseres ein als ein 'aber das sagt das Wort Fonds ja schon'. Schön, denn ich als Niederländerin kannte das Wort Fonds nur aus 'Ziekenfonds' welches die gesetzliche Krankenkasse in NL ist. Soviel zu meinen perfekten Deutschkenntnissen. Olav P. zu den merkwürdigen Laufzeiten: mittelfristig ist bei einer jungen Person zwischen 10 und 40 Jahren. Wenn beide Produkte eine 39-jährige Laufzeit haben, kann nicht das eine mittelfristig und das andere langfristig sein! Weiterhin behauptet er meine RV sei nicht fondsgebunden. Das sehen die Versicherungsangestellten bei denen ich nachgefragt habe ganz anders! Wenigstens damit sollte er sich doch auskennen oder? Doch dann kam die Ablehnung meiner Beschwerde. Auf Grund der Stellungnahme von Herrn Olav P. kann man keine Falschberatung entdecken. Gut, ich werde abgespeist. Kein Problem, schreibe ich eben noch mal hin und helfe ein wenig nach beim Lesen. Ohne Erfolg.
Ich leitete meine Beschwerde weiter an die BAFIN. Sie würden sich der Sache annehmen. Jetzt sind 2 Monaten vergangen und ich habe eine Antwort erhalten. Leider können sie für mich nichts tun, da es sich um ein 'richtig oder falsch' handelt und eine Beweisaufnahme für die BAFIN als Behörde nicht möglich ist. Einzig ein Gericht könne darüber entscheiden.
Leute, es geht um eine Summe von ca. 6.300 Euro die ich bislang eingezahlt habe. Ein Klacks für ein Versicherungsunternehmen. Ich sollte jetzt eigentlich an meiner Diplomarbeit schreiben und keine Romane an Versicherungen und Drückerkolonnen wie die DVAG verfassen die kaum gelesen werden. Ende nächsten Jahres muss ich mich entscheiden was mit meinen Versicherungen gescheht, dann laufen die 2 Jahren Auszeit ab und ich müsste die Zahlungen wieder aufnehmen. Bis dahin hoffe ich Herrn Olaf P., der mal mein Kumpel war, zur Rechenschaft ziehen zu können.
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