Ob vermeintliche Gewinnmitteilungen in unberechtigten Kontoabbuchungen mündeten oder kryptische Klauseln in Gaslieferverträgen Preiserhöhungen begründeten – die Verbraucherzentrale NRW war für knapp 1,1 Millionen Ratsuchende eine gefragte Anlaufstelle bei Verbraucherproblemen. Vor dem Hintergrund von Rezession, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit verzeichnete die Geld- und Kreditberatung Hochkonjunktur, weil Hilfestellungen beim Auskommen mit eingeschränktem Einkommen gesucht wurden. Außerdem: Um die anbieterunabhängige Verbraucherinformation zu Finanzmärkten zu stärken, sollten sich nach dem Votum von Bürgerinnen und Bürgern auch Banken und Sparkassen an deren Finanzierung beteiligen. So ein zentrales Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW, die Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller in Düsseldorf vorstellte.
Die Gefahr lauerte am Telefon sowie bei Gewinnspielen im Internet oder in Zeitschriften: Wer hier leichtfertig Geburtstag, Telefonnummer, Adresse oder Kontonummer zur Überweisung des Gewinns mitteilte, wurde für Datenhändler lohnende Beute. Unberechtigte Abbuchungen von Firmen mit einer Schadenssumme von 20.000 Euro – so der unrühmliche "Gewinner", der in einer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW Rat suchte.
"Einmal mehr sorgte Abzocke im Internet für Verbraucherverdruss", bilanziert der NRW-Verbraucherzentralenvorstand, "vor allem bei der Suche nach kostenloser Software waren Ratsuchende in kostenträchtige Abofallen getappt. Wer dort die Anmeldemaske mit persönlichen Daten bestückt hatte, bekam wenige Tage später eine Rechnung über 96 Euro, weil angeblich ein Abovertrag mit zweijähriger Laufzeit geschlossen worden war. Zu den miesen Drehs zählte auch, per Anruf zum Besuch einer solchen Seite gelockt zu werden oder auch eine vorherige Gratis-Mitgliedschaft kurzerhand in eine kostenpflichtige zu verwandeln." Perfide Abzocke von Kindern und Jugendlichen hat die Verbraucherzentrale NRW auch bei zahlreichen "Gratis-Online-Spielen" angeprangert. Dabei hatten sich die Betreiber den kindlichen Spieltrieb zu Nutze gemacht: "Die Kids haben dann auf oftmals heimlichen Wegen Rechnungen von bis zu 2.000 Euro – per Handy oder Kreditkarte der Eltern – produziert", so Klaus Müller.
Rund 130.000 Rechtsberatungen und 35.000 Rechtsvertretungen weist die Statistik in den 55 (seit Jahresanfang 57) Beratungsstellen aus: "Auffallend ist, dass viele Ratsuchende das kleine Einmaleins des Geschäftsverkehrs nicht kennen. Umso notwendiger, dass wir einen bürgernahen Zugang zum Recht bieten", unterstreicht der Vorstand der bundesweit größten Verbraucherzentrale die Bedeutung der Beratungsstellen für die Bürgerinnen und Bürger in NRW.
Dies hat jetzt auch eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW bestätigt: Knapp zwei Drittel der 1.001 Befragten befürworteten, dass auch in den acht Landkreisen Beratungsstellen eröffnet werden, in denen es diese Anlaufstellen für Verbraucherfragen noch nicht gibt.

"Auch haben die Befragten ein klares Votum abgegeben, wo sie die Schwerpunkte für künftige Verbraucherpolitik sehen. Dies ist sicher ein wichtiges Stimmungsbarometer, an dem sich die neue Landesregierung orientieren sollte, damit Nordrhein-Westfalen Verbraucherschutzland Nummer eins wird", stellt Klaus Müller die Ergebnisse vor.
"71 Prozent sprachen sich dafür aus, dass die Politik Rahmenbedingungen – zum Beispiel durch eine Stiftung - schaffen muss, damit sich – neben dem Land und den Sparkassen – auch Privatbanken an der Finanzierung von Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung und der Verbraucherinformation über Finanzmärkte beteiligen.

Außerdem: 70 Prozent der Befragten befürworteten eine Kennzeichnungspflicht für Gaststätten, durch die Besucher über die Ergebnisse der amtlichen Hygieneprüfung informiert werden.

"Ob Fragen zur Wahl der Krankenkasse, zu Zusatzleistungen oder Arztrechnungen – wir diagnostizieren in den letzten Jahren hierzu einen wachsenden Beratungsbedarf", stellt Klaus Müller einen Befund aus dem Beratungsalltag vor, der sich auch in der Forsa-Umfrage bestätigt:

Ein weiterer wichtiger Wunsch ist die Vereinfachung von Tarifen und Angeboten.

Die Förderung der Verbraucherzentrale NRW ist dank einer "Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz" mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Jahr 2010 gesichert. Mit der neuen Landesregierung sollen nun Gespräche über eine Fortführung dieser Vereinbarung geführt werden.
Den Jahresbericht der Verbraucherzentrale NRW finden Sie hier.
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