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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

23.09.2010
Neues Angebot der Verbraucherzentrale in Wuppertal
Erstberatung für säumige Energiekunden

Wenn Strom- oder Gassperren drohen, weil überschuldete Wuppertaler Haushalte Abschläge oder Jahresrechnungen nicht mehr zahlen können, bietet die "Erstberatung für säumige Energiezahler" jetzt Soforthilfe: Durch eine Kooperation zwischen der WSW Energie & Wasser AG und der Verbraucherzentrale NRW startet in der Beratungsstelle an der Schlossbleiche ein Beratungsangebot mit dem ehrgeizigen Ziel, Energieschulden dauerhaft zu regulieren und zu vermeiden. Anstatt Außenstände weiter erfolglos einzufordern, sollen Betroffenen gangbare Wege zur Existenzsicherung und Budgetplanung aufgezeigt werden.

6.000 bis 10.000 säumige Energieschuldner zählt die WSW Energie & Wasser AG derzeit – die Zahl spiegelt damit ein hohes Niveau an Schuldnern wider. Arbeitsplatzverlust, Scheidung, ohnehin angespannte Haushaltskassen – so kommt das Schuldenkarussell oftmals in Gang. Wenn Einnahmen und Ausgaben dauerhaft aus dem Gleichgewicht geraten und Verbindlichkeiten über den Kopf wachsen, gerät auch die Zahlung von Miete und Energiekosten ins Stocken. Mahnungen, Androhung der Einstellung der Lieferung oder die Einstellung der Lieferung von Strom oder Gas sind in der Konsequenz Maßnahmen, die die WSW ergreifen, um säumige Forderungen beizutreiben. In überschuldeten Haushalten allerdings, wo weder Rücklagen vorhanden sind noch Einkünfte über dem Pfändungsfreibetrag erreicht werden, gerät das Inkasso von Außenständen zum Bumerang: Es fallen zusätzlich Kosten für Mahnverfahren, Unterbrechung der Energielieferung und die erneute Freigabe der Versorgung an – die die Betroffenen angesichts ihrer Überschuldung ebenfalls nicht zahlen können. "Eine Erstberatung für säumige Energiekunden durch die anbieterunabhängige Verbraucherzentrale erscheint uns da als gangbarer Weg, um in existenziellen Notlagen Soforthilfe zu geben und um eine nachhaltige Lösung zu erreichen", so Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der WSW Energie & Wasser AG.
Für das zunächst bis zum 31. August 2012 befristete Projekt haben die WSW rund 60.000 Euro eingeplant. "Wir werden das Beratungsangebot in schriftlichen, telefonischen und persönlichen Kundenkontakten bewerben und Betroffenen raten, den Weg zur Verbraucherzentrale in Wuppertal zu suchen", verspricht Feicht.

Für die Verbraucherzentrale NRW ist die "Erstberatung für säumige Energiekunden" in Kooperation mit einem Versorgungsunternehmen "Neuland". "Wir haben vielfältige Erfahrungen in der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in 13 Städten des Landes", verweist NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller auf anerkanntes Know how, "Energieschulden, die durch erfolglose Inkassoversuche der Strom- und Gasanbieter immer weiter anwachsen, sind vielfach ein Knackpunkt in der Existenzsicherungsberatung. Das ‚Wuppertaler Modell’ ist nun ein lohnender Versuch, durch gezielte Beratung und Betreuung der Betroffenen Lösungen zu entwickeln, um Energieschulden dauerhaft zu regulieren und zu vermeiden." Die Interessen und individuellen Möglichkeiten der Schuldner im Blick, werde die Schuldnerberaterin mit den WSW tragfähige Vereinbarungen zur Regulierung finden. "Darüber hinaus werden Hilfestellungen gegeben, Einnahmen und Ausgaben künftig ins Gleichgewicht zu bringen", zeigt Klaus Müller die nachhaltige Wirkung des Beratungsangebots auf.
Übrigens: Die Fallmanager der örtlichen ARGE sollen eng in das Kooperationsmodell eingebunden werden; auch sie können auf die Erstberatung für säumige Energiezahler verweisen.

"Wo es an Energie zum Kochen, Kühlen und Heizen fehlt, steht die Versorgung der Familie auf dem Spiel", berichtet Schuldnerberaterin Kathrin Rietbrock aus dem Beratungsalltag, "überschuldete Familien und Alleinerziehende sind von Strom- und Gassperren besonders betroffen. Deshalb werden sie sicher eine wichtige Zielgruppe des neuen Beratungsangebots sein." Kurzfristig wird die Schuldnerberaterin zunächst versuchen, existenzielle Notlagen abzuwenden: Gemeinsam mit den WSW erarbeitet sie eine Vereinbarung, wie bereits aufgelaufene Energieschulden gestundet oder abgestottert werden können. Alsdann geht’s an Kassensturz und Budgetplanung, um Miese bei den Abschlägen für Strom und Gas künftig zu vermeiden. "Sichere Wohnung und Energieversorgung! – Diese handlungsleitende Empfehlung der Schuldnerberatung gilt auch für die Erstberatung für säumige Energiezahler", beschreibt Kathrin Rietbrock ihren Arbeitsplan.
Wird nach der Erstberatung eine umfassende Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung erforderlich, mangelt es in Wuppertal derzeit leider an ausreichenden Kapazitäten: Wartezeiten von bis zu einem Jahr melden anerkannte Einrichtungen unisono. "Umso dringender, dass es durch die Schuldner-Erstberatung gelingt, die Eigeninitiative der Betroffenen zu stärken und bei der Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen", sieht sich die neue Schuldnerberaterin in Wuppertal vor einem anspruchsvollen Programm.

Zu erreichen ist die Erstberatung für säumige Energiezahler während einer offenen Sprechstunde: montags von 10 bis 12 Uhr.
(Verbraucherzentrale in Wuppertal, Schlossbleiche 20)


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link789581A.html