Ein Vergleich der Verbraucherzentrale NRW bei zehn großen Möbelhäusern und -ketten zeigt: Wer sich Schrankwand oder Bett liefern lassen möchte, muss mit hohen Zusatzkosten rechnen.
Die Eichenschrankwand, das Ehebett, der Ledersessel: Neue Möbel sind oft zu groß, um sie im eigenen Auto nach Hause zu bringen. Möbelhäuser bieten deshalb an, die Ware zu liefern. Doch dabei ist Vorsicht geboten: Nur bei Anbietern, die Möbel nach Kundenwunsch fertigen lassen, ist dieser Service meist inklusive. Bei Mitnahmehäusern können die Lieferkosten dagegen selbst Schnäppchen teuer machen.
Das zeigt ein Vergleich der Verbraucherzentrale NRW unter zehn Unternehmen. Danach müssen Kunden bis zu über 100 Euro zahlen, wenn sie sich eine 600 Euro teure Schrankwand mit drei Metern Länge etwa 30 Kilometer weit liefern lassen – Montage nicht inklusive.
Das billigste Angebot gab ein Möbelhaus nahe Aachen ab, das die Schrankwand für 59 Euro liefern wollte. Knapp dahinter landete die Bielefelder Filiale von Porta (bundesweit 20 Filialen). Sie versprach den Transport für 60 Euro. Kurios: Nicht alle Filialen von Porta liefern zum gleichen Preis - selbst innerhalb einer Filiale gibt´s Unterschiede. So kostete in Köln-Porz der Transport eines Schranks satte 100 Euro, eines Modells aus der Etage "Junges Wohnen" dagegen nur 60 Euro. Begründet wurde das mit verschiedenen Spediteuren.
Im 100-Euro-Raum agierte auch die Dürener Filiale von Möbel Boss – Werbeslogan: "Sofort, billig und gut". Obendrein verlangte Möbel Boss einen Aufpreis von fünf Euro pro Stockwerk. Bei allen anderen Anbietern in der Stichprobe schleppen Möbelpacker die Ware ohne Aufpreis in die Wohnung, selbst wenn die unter dem Dach eines Hochhauses liegt.
Obacht: Bisweilen werden die Transportkosten nicht nach Größe oder Gewicht berechnet, sondern nach dem Preis der Möbel. Der schwedische Inbus-Schlüssel-Verteiler Ikea ist so ein Fall. Ab 450 Euro Warenwert sind hier in allen Filialen 89 Euro für den Transport fällig.
Wichtig zu wissen: "Das Risiko für den Transport tragen grundsätzlich die Möbelhäuser oder die beauftragten Speditionen", sagt Verbraucherjuristin Carolin Uhrig. Geht unterwegs etwas kaputt, etwa weil die Möbelpacker den Schrank im Treppenhaus fallen lassen, hat der Verbraucher entweder Anspruch auf eine Ersatzlieferung oder Schadenersatz - je nachdem, ob die Lieferung mit dem Möbelhaus oder direkt mit der Spedition vereinbart worden war.
Ein Manko der Lieferservices: Oftmals dauert es zwei bis drei Wochen, bis die Möbel ankommen. Carlin Uhrig empfiehlt, "schon beim Kauf ein genaues Lieferdatum zu vereinbaren". Schneller geht es oftmals mit einer Möbelspedition – allerdings sind die Preise der Fuhrunternehmen in der Regel deutlich höher.
So verlangt etwa eine Bielefelder Spedition 250 Euro dafür, dass zwei ihrer Mitarbeiter eine Schrankwand ins 25 Kilometer Luftlinie entfernte Lemgo bringen.
Größere Häuser wie Ikea bieten eine weitere Alternative zum Lieferdienst: Die Kunden können sich nach ihrem Einkauf in den Filialen einen Transporter mieten und die Ware selbst nach Hause bringen. Das kostet für zwei Stunden 36 Euro plus Benzin-Verbrauch.
Wer dass macht, muss allerdings nicht nur die Möbel, sondern auch das Transportrisiko tragen.
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