Hunderttausende Privatanleger bangen um ihr Geld. Doch es gibt auch Profiteure der Krise: Findige Geschäftsleute nutzen die Verunsicherung der Anleger, um ihnen zum Teil zweifelhafte Angebote zum Kauf oder Umtausch von Anteilen an vorübergehend oder dauerhaft geschlossenen Offenen Immobilienfonds zu unterbreiten.
Fragwürdig: Fondsanteile gegen nicht börsennotierte Aktien tauschen
Jüngstes Beispiel: Die GE & F Capital UG bietet im Zuge eines über den elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Angebotes angeblich 39 Euro je Anteil des Degi Europa. Das liegt deutlich über dem derzeit erzielbaren Preis für die Anteile, die momentan nur über die Börse gehandelt und nicht an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden können.
Ein genauerer Blick auf das Angebot offenbart jedoch: Die 39 Euro sollen nicht in bar an die Fondsanleger fließen – vielmehr wird auf der Internetseite von GE & F Capital erklärt, dass Anteilseigner des Degi Europa ihre Fondsanteile in Aktien der SPV AG & Co. KGaA umtauschen können. Für jeden Anteil des Degi Europa sollen umtauschwillige Anleger 10 Aktien der SPV AG & Co. KGaA erhalten. Weil jede Aktie 3,90 Euro wert sein soll, ergibt sich der rechnerische Angebotswert von 39 Euro je Anteil.
Die Aktien sind allerdings nicht börsennotiert und können daher nicht ohne Weiteres verkauft werden. Auch ob der versprochene Wert der Aktien realistisch ist, können die Anleger nicht überprüfen. Die SPV AG & Co. KGaA will ihrem letzten Geschäftsbericht zufolge mit dem Betreiben eines Edelmetall-Shops und der Verwaltung des eigenen, vorwiegend in Gold und Silber angelegten Vermögens, Gewinne erwirtschaften. In den beiden vergangenen Geschäftsjahren ist das allerdings nicht gelungen – das Unternehmen machte Verluste.
Viele Kauf- und Umtauschangebote in den letzten Jahren
In der jüngeren Vergangenheit wurden Anleger wiederholt mit ähnlichen Angeboten konfrontiert, die von Unternehmen mit wechselnden Namen kamen: von der GES Beteiligungen UG, der P8B UG, der E&R Vermögensverwaltungs UG, der Plus Management GmbH und anderen.
Alle Angebote folgten dem gleichen Muster: Entweder wurde eine Bar-Abfindung geboten, die deutlich unter dem zur jeweiligen Zeit erzielbaren Börsenkurs lag und den aufkaufenden Unternehmen einen schnellen Gewinn ermöglichte. Oder die Fondsanleger erhielten Angebote zum Umtausch ihrer Anteile in nicht börsennotierte Aktien fragwürdiger Gesellschaften.
Auch wer mit der Entwicklung seiner Fondsanteile schlechte Erfahrungen gemacht hat und Teile des angelegten Geldes verloren hat, sollte solchen Angeboten mit großer Vorsicht begegnen. Denn wer sich darauf einlässt, kann vom Regen in die Traufe gelangen.
Nach wie vor haben Anleger, deren Geld in momentan geschlossenen Offenen Immobilienfonds feststeckt, nur zwei seriöse Möglichkeiten: die Anteile behalten oder über die Börse verkaufen – allerdings mit einem Abschlag zum offiziellen, von den Fondsgesellschaften festgelegten Kurs. Wer unsicher ist, was für ihn die richtige Entscheidung ist, sollte eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen.


