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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

10.12.2010
Online-Händler drängen beim Weihnachtseinkauf zur Vorkasse: Mit Zuckerbrot und Peitsche zum riskanten Geschenkekauf

Mit Zuckerbrot und Peitsche versuchen viele Onlineshops, ihre Kunden zu risikoreichen Bezahlarten zu drängen: Sie geben Rabatte oder Vergünstigungen bei der Vorkasse und verteuern sichere Zahlungsvarianten oder bieten sie gar nicht erst an. Das belegt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei 50 Internet-Händlern.

Viele Millionen Deutsche bestellen dieses Jahr ihre Weihnachtsgeschenke im Internet. Und das ist oftmals risikoreicher als der Einkauf im stationären Handel, wo die alte Kaufmannsregel gilt: Erst die Ware, dann das Geld!

Denn legt ein Online-Händler nach der Überweisung eine Pleite hin, ist das Geld in aller Regel futsch. Und das passiert durchaus häufiger. Immerhin 34.000 Gewerbetreibende, davon tausende mit Onlineversand, mussten allein im Jahr 2010 Jahr Insolvenz anmelden.

Obendrein lauern immer wieder Betrüger im Internet, deren angepriesene Schnäppchen gar nicht existieren. Die Shops lösen sich gleich nach Geldeingang rasch wieder auf.

Um so ärgerlicher ist es da für Verbraucher, dass sie oft mit Zuckerbrot und Peitsche zum risikoreichen Bezahlen gedrängt werden. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei 50 Onlineshops, die Vorkassezahler mit Rabatten oder Vergünstigungen locken, sichere Zahlungsarten dagegen oft nicht oder nur teuer anbieten.

Dabei ist die Verführung schon groß: Mal gewährten die Shops zwei Prozent bei der Bestellung von Windsurfartikeln oder Hundefutter, mal waren es satte zehn Prozent auf Schmuck oder Unterwäsche. Meist lagen die Nachlässe zwischen drei und fünf Prozent: bei Möbeln, Unterhaltungselektronik und Bekleidung, bei Duftkerzen, Billardzubehör und Biolebensmitteln.

Wer hingegen sicher einkaufen will, dem droht die Peitsche. Die knallt besonders heftig beim Kauf auf Rechnung. Das ist für Markus Feck, Jurist der Verbraucherzentrale NRW, "die kundenfreundlichste Zahlungsvariante". Vorteil hierbei: Erst kann der Kunde in Ruhe zu Hause die Ware prüfen, bevor die Zahlung erfolgt.

Doch von den 50 Händlern mit Vorkasse-Rabatt boten nur 20 diese Variante an - davon gerade mal vier auch für Neukunden. Meist mussten sich Käufer die Sicherheit erst verdienen: mit ein oder zwei Bestellungen der weniger vorteilhaften Zahlungsart. Zudem war die Kaufsumme oftmals beschränkt: beispielsweise auf 100 Euro.

Zwei Shops waren noch ideenreicher, den Kauf auf Rechnung zu verleiden: So wollte ein Tierfutter-Händler von seinen Kunden erst die Kopie des Personalausweises sehen, dann wieder gab’s T-Shirts nur gegen eine zusätzliche Gebühr von 3,50 Euro und Abfrage der Telefonnummer.

Ebenso störrisch verhielten sich viele Händler beim Thema Bankeinzug und Lastschrift. Zwar fließt hier das Geld sofort auf das Firmenkonto, allerdings kann, wenn etwa die Ware nicht kommt, die Kunden-Bank den Kaufpreis mindestens sechs Wochen nach der Abbuchung noch zurückholen. Sicherheit, die offensichtlich missfällt: Denn nicht mal jeder vierte Shop in der Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW gab diesen bequemen Bezahlweg frei.

Einen eingeschränkten Käuferschutz bietet PayPal, ein Dienst des Auktionshauses eBay, den zwei von drei Händlern anboten. Allerdings sind Kunden gezwungen, erst ein eigenes PayPal-Konto einzurichten. Von diesem muss die Zahlung erfolgen, um Beistand - etwa gegen Nichtbelieferung - zu erlangen.

Mit einer ähnlichen Absicherung wirbt auch die "Sofortüberweisung" der PayNet AG. Diesen Bezahldienst fanden die Düsseldorfer Verbraucherschützer in jedem dritten Shop. Problem hier: Auf dem Bezahlformular der Firma, das ohne vorherige Anmeldung auf der Shopseite öffnet, müssen persönliche Geheimzahlen wie PIN und TAN eingegeben werden. Einige Banken warnen deshalb ausdrücklich davor, die "Sofortüberweisung" zu nutzen.

Keinen Käuferschutz genießt, wer per Kreditkarte online shoppt. Abgesichert ist hier nur der Missbrauch, wenn etwa betrügerische nicht autorisierte Abbuchungen auf der Abrechnung entdeckt werden.

Dass ein Geschäft auch wirklich liefert, ist den Freunden der Nachnahme wichtig. Allerdings warten Paketboten selten so lange, dass die Ware überprüft werden kann. 41 der 50 Shops offerierten die meist teurere Bezahlung an der Haustür. In der Regel strichen sie dabei jeden Rabatt rigoros und langten mit deftigen Zuschlägen bei den Versandkosten zu.

Beispielsweise sollten Kunden für die Anlieferung von Gartenmöbeln satte 40 Euro berappen. Bei Vorkasse - wo wieder mal ein fünfprozentiger Rabatt lockte - wären die ganz weggefallen. Kurios: Obendrein waren noch 20 Prozent der Kaufsumme per Vorkasse zu entrichten.

Übrigens: Das Internet bietet noch weitere Merkwürdigkeiten.
Alles andere als sexy kam etwa für die Verbraucherzentrale NRW ein Erotikshop daher.Der nämlich offerierte doch glatt, "Bestellungen schriftlich unter Beilage von Bargeld" aufzugeben. Bleibt nur zu hoffen, dass warnende Worte der Verbraucherschützer die erregte Kundschaft erreichen, bevor sie diesem gänzlich ungeschützten Geldverkehr frönen.



Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link819521A.html